Psychologin Anna Klar

🧠 Mensch + Künstliche Intelligenz = Beste Lösung

Nach Jahren im Homeoffice: Wie baue ich soziale Kompetenz wieder auf – und finde Anschluss, ohne mich zu verstellen?

Hallo zusammen, mein Name ist Lukas, ich bin 27 Jahre alt und arbeite seit drei Jahren als Softwareentwickler im Homeoffice. Seit ich diesen Job habe, ist mein soziales Leben fast komplett eingeschlafen. Früher hatte ich in der Uni und bei Nebenjobs noch regelmäßigen Kontakt zu Kommilitonen oder Kollegen, aber jetzt verbringe ich die meiste Zeit allein vor dem Bildschirm. Das Problem ist: Ich merke, wie meine Fähigkeit, Small Talk zu führen oder mich in Gesprächen natürlich auszudrücken, immer mehr nachlässt. Wenn ich doch mal bei Familienfeiern oder zufälligen Treffen mit alten Bekannten bin, fühle ich mich unsicher, steife ab oder rede zu viel über technische Themen, die niemanden interessieren. Manchmal vermeide ich sogar solche Treffen aus Angst, mich ungeschickt anzustellen. Vor einem halben Jahr habe ich versucht, einem Hobby-Club (Pen-&-Paper-Rollenspiele) beizutreten, um Leute kennenzulernen. Aber nach drei Treffen habe ich aufgehört, weil ich das Gefühl hatte, nicht richtig dazuzugehören. Die anderen schienen alle schon eingespielte Freundschaften zu haben, und ich wusste nie, wann ich etwas sagen oder lieber schweigen sollte. Jetzt verbringe ich meine Abende meist mit Online-Spielen oder Serien. Ich weiß, dass das nicht gesund ist, aber es fühlt sich sicher an. Gleichzeitig schäme ich mich dafür, weil ich eigentlich mehr vom Leben will. Wie kann ich aus diesem Kreislauf ausbrechen? Sollte ich gezielt an meiner Kommunikation arbeiten (z. B. mit Büchern oder Kursen)? Oder wäre es besser, erstmal kleine soziale Schritte zu üben – und wenn ja, wie? Ich fühle mich wie ein Außenseiter in meiner eigenen Generation. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht oder Tipps, wie man nach Jahren der Isolation wieder normal mit Menschen umgehen lernt? Vielen Dank für eure Perspektiven. Lukas

Anna Klar

Psychologin und KI

Ein Softwareentwickler fühlt sich im Homeoffice isoliert, während gespenstische soziale Szenen ihn umgeben, doch ein Lichtweg zeigt einen möglichen Ausweg.

Lieber Lukas, zunächst einmal möchte ich sagen, dass Ihre Situation vielen Menschen bekannt ist, insbesondere nach einer längeren Zeit im Homeoffice. Der Verlust an sozialen Kontakten und das vermindertes Üben sozialer Fähigkeiten können zu Unsicherheiten und Ängsten führen. Sie haben bereits wichtige Schritte unternommen, indem Sie sich eines Hobbys wie dem Pen-&-Paper-Club geöffnet haben – auch wenn es nicht sofort gepasst hat, ist es ein wertvoller Versuch.

Es ist wichtig zu verstehen, dass soziale Kompetenz wie ein Muskel funktioniert: Wer lange nicht trainiert, muss behutsam und geduldig wieder anfangen. Kleine Schritte sind hier hilfreich. Versuchen Sie, Alltagssituationen als Übungsfeld zu sehen, ohne sich selbst zu hart zu beurteilen. Bei zufälligen Treffen oder Familienfeiern können Sie sich zum Beispiel kleine Gesprächsziele setzen, die nicht perfekt sein müssen. Vielleicht wollen Sie versuchen, andere zu fragen, wie es ihnen geht, oder gemeinsame Interessen zu entdecken, bevor Sie selbst viel erzählen. Das Zuhören und das Interesse am Gegenüber sind oft der Schlüssel, um das Gespräch am Laufen zu halten und sich nicht als Außenseiter zu fühlen.

Darüber hinaus können Sie durchaus an Ihrer Kommunikation arbeiten – Bücher zum Thema Small Talk, Gesprächstheorien oder auch Kurse können gute Werkzeuge sein. Doch ohne Praxis bleiben diese theoretischen Kenntnisse oft ungenutzt. Deshalb ist die Kombination aus bewusstem Lernen und regelmäßiger Anwendung im Alltag essenziell. Es muss nicht gleich ein großer Kurs sein, es kann auch eine kleinere Gruppe oder ein neues soziales Setting sein, das Ihnen weniger Stress bereitet. Wichtig ist, dass Sie sich selbst Raum geben, Fehler zu machen und Rückschläge als normale Lernschritte akzeptieren.

Es kann außerdem helfen, die Gründe für Ihre sozialen Ängste anzuerkennen, ohne sich dafür zu schämen. Viele Menschen fühlen sich in sozialen Situationen unsicher, vor allem wenn sie längere Zeit allein gearbeitet haben. Sich selbst mitfühlend zu begegnen und kleine Erfolge wertzuschätzen, stärkt das Selbstbewusstsein. Ganz nebenbei gewinnen Sie dadurch auch die Motivation, weiter an sich zu arbeiten.

Wenn Sie bemerken, dass die Gefühle von Unsicherheit oder Rückzug stärker werden, kann es auch hilfreich sein, sich mit einer Psychologin oder einem Psychologen auszutauschen. Dieser Austausch kann Sie dabei unterstützen, Strategien zu entwickeln, damit Ihnen der Wiedereinstieg in soziale Kontakte leichter fällt. Sie müssen diesen Weg nicht alleine gehen.

Abschließend: Geben Sie sich Zeit, seien Sie geduldig mit sich und sehen Sie jeden Schritt als Fortschritt – egal wie klein er erscheint. Soziale Kompetenz lässt sich wieder aufbauen, und Sie werden Menschen finden, die Sie so akzeptieren, wie Sie sind. Sie sind definitiv nicht allein mit Ihren Erfahrungen.

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