Psychologin Anna Klar

🧠 Mensch + Künstliche Intelligenz = Beste Lösung

Wut auf oberflächliche Kollegen: Warum bringe ich mich selbst in unnötige Konflikte – und wie höre ich auf, mich über erfolglose Präsentationen aufzuregen?

Hallo zusammen, seit etwa drei Monaten habe ich mit extremer Reizbarkeit und Wut zu kämpfen, die sich besonders in einer bestimmten Situation zeigt: Immer wenn ich in Meetings unvorbereitete oder schlechte Präsentationen meiner Kollegen sehe, die trotzdem mit Lob überhäuft werden, koche ich innerlich. Nicht nur das – ich spüre, wie mein Körper angespannt wird, meine Hände zu Fäusten geballt sind und ich manchmal sogar leise vor mich hin knurre (was mir hinterher peinlich ist). Das Problem ist: Ich bin selbst nicht perfekt, aber ich bereite mich akribisch auf meine eigenen Präsentationen vor. Wenn ich dann sehe, wie jemand mit halbherzigen Slides und unstrukturierten Argumenten durchkommt – einfach weil er laut oder charismatisch wirkt – fühlt es sich an, als würde mir jemand ins Gesicht spucken. Vor allem, wenn meine sorgfältige Arbeit danach ignoriert oder klein geredet wird. Letzte Woche ist es eskaliert: Ich habe in einer Pause einen Kollegen angeschnauzt, weil er eine offensichtlich falsche Statistik präsentiert hat, die niemand hinterfragt hat. Er hat mich nur verwirrt angestarrt, und seitdem gehe ich ihm aus dem Weg. Mein Chef hat mich später gefragt, ob ‚alles okay‘ sei – ich habe nur genickt, aber innerlich brodelt es weiter. Ich weiß, dass das unprofessionell ist, und ich will nicht der ‚wütende Typ‘ im Team sein. Aber wie schalte ich diesen automatischen Frust aus? Soll ich mir einreden, dass es mir egal sein soll? Oder gibt es Techniken, um in solchen Momenten konstruktiv zu reagieren – ohne dass ich mich selbst verrate oder als Besserwisser dastehe? (Und ja, ich schlafe genug, treibe Sport und ernähre mich gesund – es liegt nicht an ‚Burnout‘ oder Müdigkeit, sondern wirklich an dieser einen Sache.)

Anna Klar

Psychologin und KI

Ein junger Mann bei einem Büromeeting, der innerlich mit Ungerechtigkeit und Frust kämpft, während er einer schlechten Präsentation zuhört.

Hallo Lukas, vielen Dank für Ihre Frage und das Teilen dieser herausfordernden Situation. Es ist verständlich, dass Sie sich in dieser Lage fühlen, und es zeigt bereits viel Selbstreflexion, dass Sie nach Lösungen suchen, anstatt in der Wut zu verharren. Lassen Sie uns gemeinsam einige Perspektiven und mögliche Ansätze erkunden.

Zunächst ist es wichtig anzuerkennen, dass Ihre Gefühle valide sind. Das Gefühl der Ungerechtigkeit, wenn eigene Mühe nicht gesehen wird, während andere mit weniger Aufwand Erfolg haben, kann tief verletzen und Wut auslösen. Diese emotionale Reaktion ist ein Signal, dass Ihnen Ihre Arbeit und Anerkennung wichtig sind. Der Schritt, den Sie bereits gehen, nämlich diese Reaktion nicht einfach hinzunehmen, sondern zu hinterfragen, ist der erste und entscheidende in Richtung Veränderung.

Ihre Frage zielt darauf ab, wie Sie den automatischen Frust abschalten können. Ein reines Sich-einreden, dass es egal sein soll, wird oft nicht funktionieren, da es die zugrundeliegenden Gefühle nicht adressiert. Stattdessen könnte es hilfreich sein, die Situation aus einer anderen Warte zu betrachten. Die Bewertung der Leistung anderer liegt oft nicht vollständig in unserer Hand, und der Fokus auf die eigene Kontrollsphäre kann entlastend wirken. Das bedeutet nicht, dass Ihnen die Qualität der Arbeit egal sein muss, sondern dass Sie Ihre Energie darauf konzentrieren, was Sie direkt beeinflussen können: Ihre eigene Vorbereitung, Ihre Präsentation und Ihre Reaktion.

In Bezug auf Techniken für den Moment selbst könnten Atemübungen oder kurze geistige Auszeiten hilfreich sein. Wenn Sie spüren, wie die Anspannung steigt, versuchen Sie, für einige Sekunden bewusst und tief ein- und auszuatmen. Dies kann helfen, die körperliche Erregung zu dämpfen und einen Moment des Abstandes zu schaffen. Dieser kleine Moment des Innehaltens kann verhindern, dass die Emotion unmittelbar in eine Handlung wie das Anschauzen eines Kollegen mündet. Es geht nicht darum, die Emotion zu unterdrücken, sondern ihr einen Raum zu geben, ohne dass sie das Steuer übernimmt.

Für eine längerfristige und konstruktivere Reaktion könnten Sie überlegen, wie Sie Ihr Fachwissen einbringen können, ohne als Besserwisser dazustehen. Statt in der Pause zu konfrontieren, könnten Sie im Meeting selbst, in einem angemessenen Ton, eine verständnisvolle Frage stellen. Zum Beispiel: 'Interessante Statistik, könnten Sie vielleicht die Quelle erläutern, damit wir alle den Kontext besser verstehen?' Eine neutrale, sachliche Frage kann einen fachlichen Diskurs anregen, ohne die Person direkt anzugreifen. Dies erfordert Übung, aber es verwandelt Ihre Frustration in eine möglicherweise für alle nützliche Handlung.

Abschließend lohnt es sich, die eigene Erwartungshaltung zu reflektieren. Erwarten Sie vielleicht eine Form der Anerkennung oder Gerechtigkeit, die in einem dynamischen Arbeitsumfeld nicht immer linear funktioniert? Die Anerkennung durch andere ist nicht immer ein perfektes Maß für die eigene Leistung, und der innere Wert der eigenen sorgfältigen Arbeit sollte nicht unterschätzt werden. Es kann entlastend sein, die eigene Arbeit auch unabhängig von der unmittelbaren Reaktion der Kollegen wertzuschätzen. Wenn diese Gefühle jedoch sehr belastend bleiben, könnte es sinnvoll sein, das Gespräch mit Ihrem Chef in einer ruhigen Minute zu suchen, nicht um sich zu beschweren, sondern um Feedback zu Ihrer eigenen Arbeit und Ihrer Rolle im Team zu erhalten. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg auf diesem Weg.

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