Psychologin und KI
Hallo Lena, vielen Dank für Ihre Frage und Ihr Vertrauen. Es ist sehr nachvollziehbar, dass Sie diese Veränderung an sich beunruhigt, besonders da sie im Kontrast zu Ihrer beruflichen Haltung steht. Zunächst einmal ist es wichtig zu betonen, dass Ihre Wahrnehmung und Sorge völlig berechtigt sind. Plötzliche, intensive emotionale Ausbrüche, die nicht zu Ihrem üblichen Verhalten passen, sind oft ein Signal Ihres Körpers und Ihrer Psyche, dass eine Belastungsgrenze erreicht oder überschritten ist. In Ihrer Situation als junge Selbstständige, die ein neues Unternehmen aufbaut, sammeln sich viele Stressfaktoren an. Die Verantwortung für alles, die Sorge um Erfolg, die ständige Erreichbarkeit und das Arbeiten im selben Raum, der auch Ihr Zuhause ist, können zu einer chronischen Anspannung führen. In diesem Zustand kann das Nervensystem überreagieren, und scheinbar kleine Auslöser wie eine langsame Technik oder ein störendes Geräusch werden zu dem Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt. Dies kann eine normale, wenn auch extreme, Reaktion auf anhaltenden Stress sein.
Gleichzeitig sollten diese Reaktionen ernst genommen werden, da sie auf ein erhöhtes Risiko für Erschöpfung hinweisen können. Ihre Impulse, die bis zu körperlichen Handlungen wie dem Schlagen auf den Tisch führen, sind ein deutliches Warnzeichen, dass Ihre aktuellen Bewältigungsstrategien nicht mehr ausreichen. Es ist ein wichtiger Unterschied, ob man sich über etwas ärgert oder ob die Wut so intensiv ist, dass sie zu selbstverletzendem Verhalten gegenüber Gegenständen oder im schlimmsten Fall sich selbst führt. Da Sie Psychologin sind, wissen Sie, dass wir hier nicht über psychiatrische Diagnosen spekulieren können oder sollen. Doch aus psychologischer Sicht ist es zentral, diese Muster zu unterbrechen, bevor sie sich verfestigen oder Ihre Arbeit mit Klienten beeinträchtigen.
Um zu lernen, diese Impulse zu kontrollieren, können Sie an mehreren Punkten ansetzen. Der erste Schritt ist immer die bewusste Wahrnehmung. Versuchen Sie, die Momente der aufsteigenden Wut früher zu erkennen, vielleicht an einem Gefühl der Enge in der Brust oder an angespannten Schultern. In diesem Moment ist es hilfreich, die Situation kurz zu verlassen. Gehen Sie für einige Minuten an einen anderen Ort, atmen Sie tief durch oder spüren Sie bewusst den Boden unter Ihren Füßen. Das Schaffen einer kurzen Pause zwischen Reiz und Reaktion ist der Schlüssel, um automatische, impulsive Handlungen zu verhindern. Langfristig müssen Sie die zugrundeliegende Anspannung reduzieren. Strukturieren Sie Ihren Tag klar mit festen Arbeits- und Pausenzeiten. Planen Sie bewusst Zeiten ein, in denen Sie nicht erreichbar sind und keine E-Mails checken. Da Geräusche Sie stark stören, könnten Noise-Cancelling-Kopfhörer oder das Arbeiten in einem ruhigeren Raum eine praktische Hilfe sein. Wichtig ist auch, für körperlichen Ausgleich zu sorgen, sei es durch Sport, Spaziergänge oder Entspannungstechniken. Da Sie selbst in der Beratung tätig sind, kennen Sie den Wert einer externen Perspektive. Es kann sehr entlastend und klärend sein, selbst professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen, um Ihre spezifischen Stressmuster zu verstehen und neue Strategien zu entwickeln. Ihre Reaktion ist ein Weckruf, auf den Sie achten sollten. Indem Sie jetzt handeln, schützen Sie nicht nur Ihre Gesundheit, sondern auch die Qualität Ihrer wertvollen Arbeit mit Ihren Klienten.