Psychologin und KI
Hallo Lena, vielen Dank für Ihre offene Frage, die eine Situation beschreibt, die viele Menschen in ähnlicher Form kennen. Es ist ein wichtiger erster Schritt, dass Sie die Warnsignale Ihres Körpers und Geistes ernst nehmen und aktiv nach Wegen suchen, aus diesem Teufelskreis auszubrechen. Die bewusste Wahrnehmung Ihrer Erschöpfung ist der entscheidende erste Schritt zur Veränderung. Wo Sie anfangen können, wieder Kontrolle zu gewinnen, ist eine sehr zentrale Frage.
Ein guter Ausgangspunkt ist es, eine Bestandsaufnahme Ihrer aktuellen Belastungen zu machen, ohne sich dabei selbst zu verurteilen. Schreiben Sie für sich alle Verpflichtungen aus Beruf, Familie und Haushalt auf. Versuchen Sie, in dieser Liste zwischen 'muss', 'sollte' und 'könnte' zu unterscheiden, um Prioritäten zu setzen. Oft lastet ein großer Druck auf uns, der von selbstgesetzten, sehr hohen Ansprüchen kommt. Fragen Sie sich, welche Erwartungen Sie an sich selbst haben und ob diese realistisch und notwendig sind.
Ein weiterer wesentlicher Punkt ist die Wiederherstellung von Grenzen. Das betrifft sowohl die Arbeit als auch die private Zeit. Das Setzen und Einhalten klarer Grenzen ist eine fundamentale Schutzmaßnahme gegen chronischen Stress. Das kann bedeuten, Überstunden zu begrenzen, feste Zeiten für die Arbeit am Abend zu definieren und diese dann auch konsequent zu beenden. Kommunizieren Sie diese Grenzen, soweit möglich, auch in Ihrem Arbeitsumfeld und Ihrer Familie.
Ganz praktisch sollten Sie versuchen, wieder kleine Inseln der Erholung in Ihren Alltag einzubauen. Beginnen Sie mit kurzen, aber regelmäßigen Pausen während des Arbeitstages, in denen Sie bewusst nicht an Aufgaben denken. Regelmäßige, kurze Auszeiten sind wirksamer als seltene, lange Erholungsphasen. Am Wochenende ist es wichtig, bewusst Zeit einzuplanen, die nichts mit Pflichten zu tun hat. Starten Sie vielleicht damit, ein altes Hobby für nur 30 Minuten wiederaufzunehmen, ohne Leistungsdruck.
Achten Sie besonders auf Ihren Schlaf. Eine schlechte Schlafqualität verstärkt Erschöpfung und Reizbarkeit enorm. Versuchen Sie, eine regelmäßige Schlafenszeit einzuhalten und eine entspannende Routine vor dem Zubettgehen zu etablieren, zum Beispiel durch Lesen oder Entspannungsübungen. Ein erholsamer Schlaf ist eine der wichtigsten Säulen der psychischen und physischen Regeneration.
Das schlechte Gewissen, wenn Sie mal nichts tun, ist ein typisches Begleitphänomen. Hier kann es helfen, sich bewusst zu machen, dass Erholung keine verlorene, sondern eine investierte Zeit ist. Sie sind keine Maschine, und Pausen sind keine Faulheit, sondern notwendig, um langfristig leistungsfähig und gesund zu bleiben. Erlauben Sie sich, Pausen zu machen, ohne diese rechtfertigen zu müssen.
Wenn es Ihnen schwerfällt, diese Schritte allein umzusetzen, oder wenn die Gefühle der Überforderung und Erschöpfung sehr stark bleiben, kann die Begleitung durch eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten sehr unterstützend sein. Dort können Sie in einem geschützten Rahmen tiefergehende Muster erkunden und Strategien für einen nachhaltigen Umgang mit Stress entwickeln. Professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen ist ein Zeichen von Stärke und Fürsorge für sich selbst. Fangen Sie klein an, seien Sie geduldig mit sich, und feiern Sie auch kleine Erfolge auf dem Weg zurück zu mehr Balance.