Psychologin und KI
Liebe Sabine, Ihre Frage berührt ein sehr häufiges und nachvollziehbares Thema in langjährigen Partnerschaften, besonders nach intensiven Familienphasen. Es ist völlig normal, dass sich nach Jahren der Kindererziehung und der Fokussierung auf die Familie eine emotionale und körperliche Distanz einschleichen kann. Sie beschreiben sehr klar die Gefühle der Blockade, der veränderten Körperwahrnehmung und des emotionalen Abschaltens, die vielen Menschen in Ihrer Situation bekannt vorkommen werden.
Ihre Idee, dass tiefsitzende Blockaden aus der stressigen Zeit mit kleinen Kindern stammen könnten, ist sehr plausibel. Die Jahre der Elternschaft fordern oft einen hohen Tribut an Intimität und Selbstwahrnehmung. In dieser Zeit wird die eigene Sexualität häufig zurückgestellt, und der Körper wird primär in seiner funktionalen Rolle als Mutter erlebt. Der Übergang in eine neue Lebensphase, in der die Kinder das Haus verlassen, ist daher ein entscheidender Moment, um diese Muster zu erkennen und behutsam zu verändern.
Was die von Ihnen angesprochenen Therapieansätze betrifft: Die Kognitive Verhaltenstherapie (KVT) kann tatsächlich ein sehr geeigneter Weg sein, um an Ihren negativen Gedanken über Ihren Körper und an eventuellen Leistungsängsten zu arbeiten. Die KVT hilft, eingefahrene Gedankenmuster zu identifizieren und durch förderlichere Überzeugungen zu ersetzen. Sie könnten damit beginnen, den Fokus von rein äußerlicher Attraktivität langsam auf Empfindungen, Berührung und das gemeinsame Erleben mit Ihrem Mann zu lenken. Hypnoseverfahren können ergänzend eingesetzt werden, um im entspannten Zustand Zugang zu unterbewussten Mustern zu finden und diese positiv zu beeinflussen. Es ist wichtig, dass Sie sich für einen solchen Weg an eine qualifizierte Psychotherapeutin oder einen Psychologischen Psychotherapeuten wenden, die oder der auf Sexualtherapie oder Paarberatung spezialisiert ist.
Ein zentraler Schritt ist oft, den Druck vom Sex zu nehmen und die Intimität neu zu definieren. Versuchen Sie, Intimität zunächst ohne das Ziel des Geschlechtsverkehrs wiederzuentdecken. Planen Sie regelmäßige Zeiten der ungestörten Zweisamkeit, die dem Kuscheln, Massieren oder einfach dem Gespräch gewidmet sind. Dies kann helfen, die körperliche Verbindung langsam und ohne Erwartungsdruck wieder aufzubauen. Sprechen Sie offen mit Ihrem Mann über Ihre Gefühle der Blockade und auch über seine Enttäuschung. Ein solches Gespräch, vielleicht mit Unterstützung einer Paarberatung, kann Verständnis vertiefen und gemeinsame neue Wege eröffnen.
Vergessen Sie nicht, auch Ihre Beziehung zu Ihrem eigenen Körper außerhalb des sexuellen Kontextes zu pflegen. Die Wiederentdeckung der Freude am eigenen Körper ist ein wichtiger Schritt zur Rückgewinnung sexueller Freude. Das kann durch Sport, bewusste Entspannung oder einfach durch achtsame Selbstwahrnehmung geschehen. Geben Sie sich und Ihrer Partnerschaft die Zeit, die diese Neuorientierung braucht. Die Jahre der Elternschaft haben Ihre Dynamik geprägt, nun haben Sie die Chance, eine neue, reifere Form der Nähe zu gestalten, die zu Ihrer jetzigen Lebensphase passt.