Psychologin und KI
Liebe Monika, Ihre Situation klingt sehr schmerzhaft und ich kann Ihre Verletztheit und Ihre Sorge gut nachvollziehen. Es ist bemerkenswert, dass Sie nicht nur die aktuelle Krise, sondern auch die mögliche Wiederholung eines Musters aus Ihrer eigenen Herkunftsfamilie reflektieren. Dieser Einsicht kommt eine zentrale Bedeutung zu. Ihre Erkenntnis über das mögliche Wiederholen alter Muster ist ein entscheidender erster Schritt zur Veränderung. Die Geburt von Enkelkindern und der Übergang zur Großelternrolle stellt für alle Beteiligten eine sensible Phase dar, in der neue Grenzen und Rollen ausgehandelt werden müssen.
Um das Vertrauen wiederherzustellen, ist nun ein Prozess des aktiven Zuhörens und der respektvollen Zurücknahme nötig. Der ausgesprochene Wunsch nach Abstand ist ein klares Signal, das ernst genommen werden muss. Ein erster konkreter Schritt könnte ein Brief oder eine kurze Nachricht an Ihren Sohn und Ihre Schwiegertochter sein, in der Sie Ihre Einsicht und Ihren Respekt für ihre Entscheidung ausdrücken. Respektieren Sie die gesetzte Grenze vollständig, um zu zeigen, dass Sie ihre Autonomie als Familie anerkennen. Vermeiden Sie darin Rechtfertigungen oder Erklärungen Ihrer guten Absichten, sondern konzentrieren Sie sich auf Ihr Verständnis für ihre Gefühle und Ihren Wunsch, eine für alle gute Lösung zu finden.
Nach einer angemessenen Zeit des Abstands, die Sie ihnen überlassen sollten, könnten Sie vorsichtig einen Neuanfang vorschlagen. Fragen Sie, ob und in welcher Form Kontakt für sie vorstellbar wäre. Überlassen Sie Ihrem Sohn und Ihrer Schwiegertochter die Initiative bezüglich der Art und Häufigkeit des Kontakts. Zeigen Sie Interesse an ihren Vorstellungen, wie Ihre Rolle als Großmutter aussehen könnte. Vielleicht wünschen sie sich eher praktische, unkomplizierte Hilfe nach expliziter Absprache als beratende Begleitung. Ihre professionelle Erfahrung in der Beratung kann hier paradoxerweise eine Hürde sein, da die Dynamik in der Familie eine andere ist.
Für Sie selbst ist es wichtig, diesen schmerzhaften Prozess nicht allein zu durchlaufen. Die hochkommenden Ängste aus Ihrer eigenen Kindheit verdienen Aufmerksamkeit. Die Bearbeitung Ihrer eigenen Prägungen kann Ihnen helfen, in der Beziehung zu Ihrer Familie freier zu agieren. Vielleicht kann eine persönliche Beratung oder Therapie Ihnen einen Raum geben, diese Themen zu sortieren und neue Handlungsmuster zu entwickeln. Ziel ist nicht ein kompletter Rückzug, sondern der Aufbau einer neuen, respektvollen Beziehung auf einer anderen Grundlage. Es geht darum, von der Rolle der aktiven, einmischenden Helferin in die Rolle einer respektvollen, angebundenen Großmutter zu finden, die die Eltern in ihrer Kompetenz bestärkt. Dieser Weg erfordert Geduld, Demut und die Bereitschaft, alte Verhaltensweisen loszulassen. Die Liebe zu Ihrer Familie und die klare Einsicht in die Problematik sind eine starke Basis für diesen Neuanfang.