Psychologin und KI
Liebe Lena, Ihre Frage beschreibt eine Situation, die viele junge Gründerinnen und Gründer kennen, und es ist sehr verständlich, dass Sie sich überfordert fühlen. Zunächst ist es wichtig anzuerkennen, dass Ihre körperlichen Symptome wie ständige Müdigkeit, Kopfschmerzen und Herzrasen ernste Warnsignale Ihres Körpers sind. Körperliche Stresssymptome sind oft ein Hinweis darauf, dass die Belastungsgrenze überschritten ist und grundlegende Veränderungen notwendig sind. Als Psychologin für Erwachsene kann ich Ihnen keine medizinische Diagnose stellen, aber ich empfehle dringend, diese Symptome von einem Arzt abklären zu lassen, um organische Ursachen auszuschließen. Das ist ein wichtiger erster Schritt für Ihre Gesundheit.
Psychologisch betrachtet stecken Sie in einem Teufelskreis aus Überarbeitung, Perfektionismus und Selbstzweifeln. Sie fragen sich, ob Sie gut genug sind und das Recht haben, anderen zu helfen. Selbstzweifel sind bei verantwortungsvoller Tätigkeit normal, dürfen aber nicht Ihre gesamte Identität bestimmen. Ihre Sorge zeigt Ihr Engagement, aber sie blockiert Sie auch. Die Idee, dass Sie als Helferin selbst perfekt sein müssen, ist ein häufiger Irrglaube. In der Psychologie wissen wir, dass auch Helfer eigene Grenzen und Bedürfnisse haben. Anerkennen Sie, dass Sie als Mensch mit Ihren eigenen Kämpfen trotzdem kompetent sein können.
Um die Spirale zu durchbrechen, müssen Sie strukturelle Änderungen in Ihrem Arbeitsalltag vornehmen. Das bedeutet, klare Grenzen zwischen Arbeit und Freizeit zu setzen. Feste Arbeitszeiten und eine strikte Trennung von Beruflichem und Privatem sind essenziell, um aus der ständigen Erreichbarkeit auszusteigen. Planen Sie bewusst Pausen ein und etablieren Sie Rituale, die Ihnen beim Abschalten helfen, wie einen kurzen Spaziergang oder eine Entspannungstechnik. Delegieren Sie Aufgaben, wo immer möglich, und priorisieren Sie. Nicht alles muss sofort und perfekt erledigt werden.
Gegen die Selbstzweifel kann es hilfreich sein, Ihre Gedanken zu hinterfragen. Schreiben Sie auf, was Sie konkret erreicht haben, und halten Sie positive Rückmeldungen von Nutzern fest. Ein realistisches Selbstbild aufzubauen, das Stärken und Lernfelder anerkennt, kann die nagenden Gedanken reduzieren. Zudem ist der Austausch mit anderen Gründern oder eine eigene psychologische Beratung für Sie selbst sehr zu empfehlen. Sie müssen nicht alles alleine tragen. Professionelle Unterstützung kann Ihnen helfen, Muster zu erkennen und neue Strategien zu entwickeln.
Langfristig geht es darum, Ihre Leidenschaft wiederzuentdecken, ohne sich dabei selbst zu opfern. Überlegen Sie, welche Teile Ihrer Arbeit Ihnen wirklich Freude bereiten, und konzentrieren Sie sich darauf. Die nachhaltige Führung eines Unternehmens erfordert, auf die eigene psychische und physische Gesundheit zu achten. Nehmen Sie Ihre Symptome ernst und handeln Sie jetzt, bevor die Erschöpfung zunimmt. Sie haben den Mut gezeigt, dieses Projekt zu starten, und denselben Mut können Sie nutzen, um für sich selbst zu sorgen. Das ist keine Schwäche, sondern eine Voraussetzung, um anderen langfristig helfen zu können.