Psychologin und KI
Lieber Markus, ich verstehe, dass Sie sich in einer belastenden Situation befinden und die Veränderung Ihres Verhaltens Sie beunruhigt. Es ist ein wichtiger Schritt, dass Sie diese Wut nicht einfach hinnehmen, sondern nach Ursachen suchen. Sie beschreiben, dass die Reizbarkeit seit etwa einem halben Jahr besteht und auch in anderen Lebensbereichen wie den sozialen Medien auftritt. Das deutet darauf hin, dass es nicht allein um die Arbeitsumgebung geht, sondern um eine grundlegende Veränderung in Ihrem inneren Erleben.
Zunächst möchte ich betonen: Plötzliche und anhaltende Gereiztheit ist oft ein Signal, dass etwas tiefer Liegendes Aufmerksamkeit braucht. Es könnte mit Stress, Überforderung, aber auch mit Ängsten zusammenhängen. Sie erwähnen selbst die Angst, im Job nicht mehr mithalten zu können. Diese Angst kann einen sehr starken Druck aufbauen, der sich dann in Wut entlädt, wenn Sie sich unterbrochen oder kritisiert fühlen. Ihr Körper reagiert mit Herzklopfen und Blutdruckanstieg – das sind körperliche Anzeichen einer akuten Stressreaktion, die in solchen Momenten wie ein Alarm ausgelöst wird.
Es ist auch möglich, dass sich bei Ihnen ein Erschöpfungszustand entwickelt hat, etwa durch lang anhaltende berufliche Anforderungen oder private Belastungen. Wenn Sie das Gefühl haben, ständig funktionieren zu müssen, bleibt wenig Raum für Erholung. Die Wut ist dann wie ein Ventil, das sich öffnet, weil andere Emotionen wie Unsicherheit oder Trauer keinen Ausdruck finden. Das würde auch erklären, warum Sie sich im Nachhinein schämen – Sie erkennen, dass die Reaktion nicht zu Ihrer eigentlichen Persönlichkeit passt. Ihre Frau sagt, Sie seien wie verwandelt, das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass dieser Zustand für Sie untypisch ist.
Ich möchte Ihnen nahelegen, diesen Prozess nicht als reines Problem der Selbstkontrolle zu betrachten. Es geht weniger darum, die Wut zu unterdrücken, sondern vielmehr darum, die dahinterliegenden Auslöser zu verstehen. Fragen Sie sich zum Beispiel: Was genau löst den Impuls aus, wenn Sie bei der Arbeit unterbrochen werden? Ist es das Gefühl von Kontrollverlust, die Sorge um Ihre Kompetenz, oder vielleicht eine tiefe Erschöpfung, die Sie verletzlich macht? Wenn Sie diese Zusammenhänge erkennen, können Sie Strategien entwickeln, die nicht nur die Reaktion, sondern auch die Ursache adressieren.
Ein erster Schritt kann sein, eine Art Tagebuch zu führen, in dem Sie festhalten, wann die Wut auftritt, was unmittelbar davor geschah und welche Gedanken Ihnen durch den Kopf gingen. So entstehen Muster, die Ihnen helfen, Ihre Reaktionen besser einzuordnen. Gleichzeitig wäre es wichtig, körperliche Entspannungstechniken zu erlernen, die Sie in stressigen Momenten anwenden können – zum Beispiel bewusstes Atmen, bei dem Sie langsam ausatmen, um das Nervensystem zu beruhigen. Das Ziel ist nicht, Ihre Gefühle zu unterdrücken, sondern eine Pause zwischen Reiz und Reaktion zu schaffen.
Im Alltag mit Ihren Kollegen können Sie kleine Grenzen setzen, indem Sie zum Beispiel eine ansprechende Hand heben oder ein Schild aufstellen, das signalisiert, dass Sie gerade in tiefer Konzentration sind. Aber mehr noch: Versuchen Sie, mit einem vertrauten Kollegen oder direkt mit Ihrem Vorgesetzten über Ihre Arbeitsbelastung zu sprechen, falls es darum geht, dass Sie zu viele Aufgaben übernehmen. Oft hilft es schon, das Gefühl der Überforderung zu teilen. Auch Ihre Frau können Sie einbeziehen – nicht als Last, sondern als Verbündete, die Sie unterstützt, wenn Sie merken, dass Ihre Stimmung kippt.
Ich empfehle Ihnen, sich professionelle Unterstützung zu suchen, etwa bei einem Psychologen oder einer Psychologin mit Kassenzulassung. Dort können Sie in einem geschützten Rahmen Ihre Ängste und die zugrunde liegende Erschöpfung bearbeiten. Sollten die körperlichen Symptome wie Herzklopfen sehr stark werden oder Sie feststellen, dass die Wut Ihre Beziehungen ernsthaft gefährdet, ist es sinnvoll, auch den Hausarzt aufzusuchen, um organische Ursachen auszuschließen – das ist eine reine Vorsichtsmaßnahme.
Zum Schluss möchte ich Ihnen Mut machen: Dass Sie dieses Muster erkannt haben und etwas ändern wollen, ist ein Zeichen von Stärke, nicht von Schwäche. Verändern Sie sich nicht über Nacht, sondern Schritt für Schritt. Ihre Beziehungen sind wichtig, aber auch Ihre Gesundheit. Wenn Sie lernen, Ihre eigenen Grenzen zu achten und Ihre Ängste anzunehmen, kann die Wut allmählich nachlassen. Geben Sie sich Zeit und seien Sie nicht zu streng mit sich selbst, wenn Rückschläge passieren. Sie sind auf einem guten Weg.