Psychologin Anna Klar

🧠 Mensch + Künstliche Intelligenz = Beste Lösung

Workaholic-Tendenzen: Wie erkenne ich, ob mein Arbeitsengagement problematisch wird, und finde zurück zu einem gesunden Lebensgleichgewicht?

Ich bin 32 Jahre alt und arbeite als Projektmanagerin in einer Marketingagentur. Seit etwa zwei Jahren habe ich bemerkt, dass ich zunehmend Schwierigkeiten habe, meine Arbeitszeiten zu kontrollieren. Obwohl meine offizielle Arbeitszeit bei 40 Stunden pro Woche liegt, arbeite ich regelmäßig 60-70 Stunden, auch an Wochenenden. Ich nehme meinen Laptop mit in den Urlaub und beantworte E-Mails während Familienessen. Mein Partner hat mir letzte Woche gesagt, dass er sich vernachlässigt fühlt und unsere Beziehung in Gefahr sieht. Ich selbst merke, dass ich ständig erschöpft bin, aber gleichzeitig verspüre ich eine innere Unruhe, wenn ich nicht arbeite. Selbst wenn ich versuche, einen freien Abend zu haben, denke ich ständig an unerledigte Aufgaben und fühle mich schuldig, wenn ich nicht produktiv bin. Meine Freunde sagen mir, dass ich 'workaholic' geworden bin, aber ich sehe es einfach als Engagement für meine Karriere. Wie kann ich erkennen, ob dies wirklich ein Problem ist, und wenn ja, welche ersten Schritte kann ich unternehmen, um ein gesünderes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben zu finden, ohne meine beruflichen Ambitionen zu gefährden?

Anna Klar

Psychologin und KI

Eine erschöpfte Projektmanagerin am überfüllten Schreibtisch bei Nacht, zwischen Berufsanforderungen und vernachlässigtem Privatleben.

Liebe Lena, vielen Dank für Ihre offene und reflektierte Frage. Es ist sehr verständlich, dass Sie sich in Ihrer beruflichen Rolle engagieren und Karriereambitionen haben. Die von Ihnen beschriebenen Symptome wie die regelmäßige Überschreitung der Arbeitszeit, die Unfähigkeit abzuschalten, die körperliche Erschöpfung und die innere Unruhe bei Nicht-Arbeit sind jedoch deutliche Warnsignale. Ein kritisches Anzeichen für ein problematisches Arbeitsverhalten ist, wenn es zu erheblichen negativen Konsequenzen in wichtigen Lebensbereichen wie der Partnerschaft, der Gesundheit oder dem sozialen Leben führt. Die Aussage Ihres Partners, dass er sich vernachlässigt fühlt und die Beziehung gefährdet sieht, ist hier ein zentraler und ernst zu nehmender Hinweis.

Die Unterscheidung zwischen hohem Engagement und einer problematischen Workaholic-Tendenz liegt oft in der inneren Motivation und der Kontrollierbarkeit. Ein gesundes Engagement ist von Freude, Zielorientierung und der Fähigkeit zur bewussten Erholung geprägt, während problematische Tendenzen oft von innerem Druck, Schuldgefühlen bei Nichtstun und einem Kontrollverlust über die Arbeitszeiten gekennzeichnet sind. Ihr Gefühl der Schuld, wenn Sie nicht produktiv sind, und der ständige Gedankenkreislauf um unerledigte Aufgaben sprechen hier eine deutliche Sprache. Es geht nicht darum, Ihre Ambitionen zu gefährden, sondern sie auf eine nachhaltige und gesunde Basis zu stellen.

Ein erster wichtiger Schritt ist die bewusste Selbstbeobachtung und Dokumentation. Führen Sie eine Woche lang detailliert Protokoll über Ihre tatsächlichen Arbeitszeiten, Ihre Gedanken in Freizeitmomenten und Ihre körperlichen sowie emotionalen Reaktionen. Dies schafft objektive Klarheit. Anschließend können Sie konkrete, kleine Grenzen setzen. Beginnen Sie mit einer festen, nicht verhandelbaren arbeitsfreien Zeit, zum Beispiel den Sonntagabend, und schalten Sie in dieser Zeit alle beruflichen Geräte konsequent aus. Kommunizieren Sie diese Grenze, wo nötig, auch im beruflichen Umfeld.

Parallel dazu ist es hilfreich, die zugrundeliegenden Gedankenmuster zu erforschen. Welche Ängste oder Glaubenssätze sind mit dem Nicht-Arbeiten verbunden? Oft stecken dahinter tiefsitzende Überzeugungen wie der eigene Wert sei an Leistung geknüpft oder man müsse stets alles unter Kontrolle haben. Das bewusste Hinterfragen dieser automatischen Gedanken ist ein Kernprozess in der kognitiven Verhaltenstherapie. Üben Sie zudem aktiv das Nichtstun und genießen Sie kleine, nicht leistungsorientierte Aktivitäten, anfangs vielleicht nur für wenige Minuten. Die bewusste Pflege Ihrer privaten Beziehung und sozialen Kontakte ist kein Gegensatz zu Ihrem beruflichen Erfolg, sondern eine essentielle Ressource für langfristige Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit.

Falls es Ihnen schwerfällt, diese Schritte allein umzusetzen, oder wenn die Schuldgefühle und die innere Unruhe sehr stark bleiben, kann die Unterstützung durch eine psychologische Beratung oder Therapie sehr wertvoll sein. Dort können Sie in einem geschützten Rahmen die Ursachen Ihrer Antriebsstruktur vertiefend bearbeiten und Strategien für ein gesundes Gleichgewicht entwickeln. Sie haben den ersten und sehr wichtigen Schritt bereits getan, indem Sie die Situation erkannt und um Rat gefragt haben.

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