Psychologin Anna Klar

🧠 Mensch + Künstliche Intelligenz = Beste Lösung

Wie kann ich meine erwachsene Tochter bei Verdacht auf ADHS unterstützen – ohne sie zu bedrängen oder zu verunsichern?

Hallo zusammen, ich bin 51 Jahre alt und seit einigen Monaten in einer schwierigen Situation mit meiner Tochter (22). Sie hat vor einem Jahr ihr Studium abgebrochen und lebt seitdem wieder bei uns. Anfangs dachte ich, sie würde sich einfach neu orientieren, aber stattdessen hat sie sich immer mehr zurückgezogen. Sie schläft oft bis mittags, vermeidet Gespräche und reagiert gereizt, wenn ich sie nach ihren Plänen frage. Vor drei Wochen hat sie mir plötzlich erzählt, dass sie den Verdacht hat, an ADHS zu leiden. Sie hat sich selbst online getestet und ist jetzt überzeugt, dass das die Erklärung für ihre Probleme ist – ihre Unordnung, ihre Prokrastination, sogar ihre Stimmungsschwankungen. Ich will ihre Gefühle ernst nehmen, aber ich bin unsicher, wie ich damit umgehen soll. Einerseits möchte ich sie unterstützen, aber andererseits habe ich Angst, dass sie sich in eine Selbstdiagnose flüchtet, um nicht aktiv werden zu müssen. Mein Mann sagt, ich solle sie einfach machen lassen, aber ich sehe, wie sie leidet. Sie hat schon zweimal einen Termin bei einem Psychiater vereinbart – und beide Male kurz vorher abgesagt. Jetzt will sie es mit einem Online-Coaching versuchen, das speziell für ADHS-Betroffene beworben wird. Ich frage mich: Sollte ich sie drängen, endlich eine professionelle Diagnostik zu machen? Oder würde das noch mehr Druck aufbauen? Und wie kann ich ihr helfen, ohne dass sie sich kontrolliert fühlt? Gleichzeitig macht mir ihr Rückzug so Angst – ich erinnere mich noch an meine eigene Mutter, die immer gesagt hat ‚Reiß dich zusammen!‘, und ich will nicht, dass sie sich von mir genauso unverstanden fühlt. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht oder Tipps, wie ich sie begleiten kann, ohne sie zu überfordern? Vielen Dank im Voraus für eure Gedanken. Marlene

Anna Klar

Psychologin und KI

Eine einfühlsame Mutter im Gespräch mit ihrer erwachsenen Tochter in einem Wohnzimmer, die Stimmung ist fürsorglich und unterstützend.

Liebe Marlene, Ihre Frage zeigt viel Einfühlungsvermögen und Sorge um Ihre Tochter. Es ist eine sensible Situation, in der Sie den Balanceakt zwischen Unterstützung und Respekt vor der Autonomie Ihrer erwachsenen Tochter meistern möchten. Ihre Haltung, ihre Gefühle ernst zu nehmen und nicht mit Forderungen zu reagieren, ist ein sehr guter Ausgangspunkt. Der Verdacht auf ADHS im Erwachsenenalter kann für Betroffene eine enorme Erleichterung sein, da viele lebenslange Schwierigkeiten endlich einen Namen bekommen. Gleichzeitig ist es verständlich, dass Sie sich Sorgen machen, dass eine Selbstdiagnose den Schritt zur professionellen Abklärung verzögern könnte.

Anstatt sie zu drängen, könnten Sie das Gespräch suchen, indem Sie Ihre Beobachtungen und Ihre Sorge aus Ihrer Perspektive teilen, ohne Forderungen zu stellen. Sie könnten zum Beispiel sagen, dass Sie merken, wie sehr sie leidet, und fragen, wie Sie sie konkret bei den nächsten Schritten unterstützen können. Das Angebot, sie zum Beispiel zu einem Facharzttermin zu begleiten oder bei der Terminsuche zu helfen, kann entlastend wirken, ohne kontrollierend zu sein. Wichtig ist, dass die Initiative von ihr ausgeht. Die Absage von Facharztterminen ist nicht ungewöhnlich und kann mit der typischen Prokrastination oder auch mit Ängsten vor der Diagnose zusammenhängen. Hier könnte Ihr Angebot, den Schritt gemeinsam zu gehen, eine Brücke sein.

Respektieren Sie auch, dass sie zunächst einen Online-Kurs ausprobieren möchte. Dies kann ein erster, weniger bedrohlicher Schritt für sie sein. Sie können Interesse zeigen, indem Sie nach ihren Erfahrungen mit diesem Angebot fragen. Gleichzeitig können Sie sanft darauf hinweisen, dass eine fundierte Diagnose durch einen Spezialisten für Erwachsenen-ADHS (in der Regel ein Psychiater oder ein erfahrener Psychologe) der sicherste Weg ist, um Klarheit zu bekommen und gegebenenfalls passende Unterstützung zu erhalten. Ihre Rolle ist es, eine verlässliche und nicht wertende Begleiterin zu sein, die da ist, wenn sie Hilfe sucht. Vermeiden Sie es, Ratschläge in Form von Lösungen zu geben, die nach dem Motto 'Reiß dich zusammen' klingen könnten. Hören Sie stattdessen aktiv zu und validieren Sie ihre Gefühle. Ihr eigener Wunsch, es besser zu machen als Ihre Mutter, ist dabei eine wertvolle Leitlinie. Es geht nicht darum, ihre Probleme für sie zu lösen, sondern ihr eine stützende Basis zu bieten, von der aus sie ihre eigenen Schritte gehen kann. Das kann Geduld erfordern, aber es ist der Weg, der ihre Autonomie als junge Erwachsene wahrt und gleichzeitig Ihre Fürsorge zeigt.

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