Psychologin Anna Klar

🧠 Mensch + Künstliche Intelligenz = Beste Lösung

Wie kann ich mich von jahrzehntelanger Abwertung befreien und meinen Körper endlich annehmen?

Hallo zusammen, ich bin Margarete, 62 Jahre alt, und habe eine Frage, die mich schon seit Jahren belastet. Vielleicht könnt ihr mir helfen, Klarheit zu finden. Seit meiner Kindheit wurde mir von meiner Mutter immer wieder eingeredet, dass ich nicht gut genug aussehe – zu dick, zu ungeschickt, zu unscheinbar. Sie selbst war eine sehr gepflegte Frau, die viel Wert auf Äußeres legte, und ich spürte stets, dass ich ihren Erwartungen nie entsprechen konnte. Mit 16 begann ich, mich extrem einzuschränken: Ich trug nur noch weite, formlose Kleidung, um meinen Körper zu verstecken, und mied Spiegel, wo es nur ging. Bis heute fühle ich mich in meinem Körper unwohl, besonders wenn ich mich in der Öffentlichkeit zeige. Vor etwa fünf Jahren begann ich, mich langsam zu öffnen. Ich kaufte mir ein paar schöne Sachen, ließ mir die Haare schneiden und versuchte, mehr auf mich zu achten. Doch jedes Mal, wenn ich mich im Spiegel betrachte oder Komplimente bekomme, überkommt mich ein seltsames Gefühl: Es ist, als würde ich mich falsch fühlen – so, als hätte ich kein Recht darauf, mich schön zu finden oder Aufmerksamkeit zu genießen. Manchmal bekomme ich sogar Panik, wenn jemand mich lobt, und ziehe mich sofort wieder zurück. Seit ein paar Monaten habe ich das Gefühl, dass sich das verschlimmert. Ich vermeide es, Fotos von mir zu machen oder mich in Gesellschaft zu zeigen, aus Angst, beurteilt zu werden. Gleichzeitig hasse ich es, mich wieder zu verstecken. Ich möchte endlich frei atmen können, ohne dieses ständige Gefühl, mich rechtfertigen zu müssen. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie kann ich lernen, mich selbst anzunehmen – ohne dieses quälende Gefühl, eine Hochstaplerin zu sein, wenn ich mich mal gut fühle? Und wie gehe ich damit um, dass meine Mutter (die noch lebt) bis heute abwertende Kommentare macht, wenn wir uns sehen? Vielen Dank für eure Gedanken. Margarete

Anna Klar

Psychologin und KI

Eine Frau betrachtet ihr Spiegelbild mit verletzlicher Miene in einer ruhigen, warmen Umgebung.

Liebe Margarete, ich danke Ihnen herzlich für Ihr Vertrauen und dafür, dass Sie Ihre so persönliche und berührende Geschichte mit mir teilen. Es erfordert viel Mut, sich nach so vielen Jahren der Abwertung zu öffnen und den Wunsch nach Veränderung zu spüren. Ihr Weg, den Sie bereits vor fünf Jahren begonnen haben, ist ein erster und sehr wichtiger Schritt, auch wenn er sich jetzt vielleicht wie ein Rückschritt anfühlt.

Die jahrzehntelange Botschaft Ihrer Mutter, dass Sie nicht gut genug seien, hat sich tief in Ihr Selbstbild eingegraben, wie ein altes, immer wieder abgespieltes Tonband. Dieses Gefühl, ein Hochstapler zu sein, wenn Sie sich gut fühlen, ist ein typisches Zeichen dafür, dass Ihr innerer Kritiker, der die Stimme Ihrer Mutter verinnerlicht hat, immer noch die Oberhand hat. Es ist nicht Ihre Schuld, dass Sie diese Gedanken haben, sondern das Ergebnis eines langen Lernprozesses, den wir nun gemeinsam umlernen können.

Eine wirkungsvolle Methode ist die Arbeit mit Ihrem inneren Kind. Stellen Sie sich die kleine Margarete vor, die all diese Abwertungen erleben musste. Sprechen Sie dieser inneren Margarete heute liebevoll und bestärkend zu, sagen Sie ihr, dass sie schön und wertvoll ist, genau so, wie sie ist. Sie können dies auch in einem Brief an Ihre Mutter oder an Ihre jüngere Version tun, ohne ihn abzuschicken. Es geht darum, die alte schmerzhafte Erzählung durch eine neue, nährende zu ersetzen.

Der Umgang mit Ihrer Mutter ist besonders herausfordernd. Es ist wichtig zu erkennen, dass Sie nicht die Verantwortung dafür tragen, ihre kritischen Kommentare zu ändern, aber Sie können Ihre Reaktion darauf verändern. Überlegen Sie, ob Sie in einem ruhigen Moment versuchen können, ein offenes Gespräch zu führen: „Mutter, wenn du solche Kommentare machst, fühle ich mich verletzt und unsicher. Ich möchte, dass unsere Beziehung anders ist.“ Sollte dies nicht möglich sein oder keine Besserung bringen, ist es in Ordnung und manchmal sogar notwendig, den Kontakt zu reduzieren oder klare Grenzen zu setzen: „Ich möchte nicht über mein Aussehen sprechen. Lass uns bitte über etwas anderes reden.“

Ihr Gefühl der Panik bei Komplimenten zeigt, wie sehr Ihr Nervensystem auf Lob mit Alarm reagiert, als wäre es eine Gefahr. Hier können kleine, achtsame Übungen helfen. Wenn Sie ein Kompliment bekommen, atmen Sie dreimal tief durch, bevor Sie reagieren. Sagen Sie einfach „Danke“ ohne weitere Rechtfertigung. Üben Sie dies zunächst allein vor dem Spiegel: Sagen Sie sich selbst einen positiven Satz wie „Ich mag meine Hände“ und beobachten Sie, was passiert. Mit der Zeit kann Ihr Gehirn lernen, dass Lob etwas Sichereres ist.

Ich möchte Ihnen auch eine kleine, konkrete Aufgabe vorschlagen: Suchen Sie sich jeden Tag eine Minute im Spiegel, schauen Sie sich in die Augen und sagen Sie sich laut oder leise: „Ich bin gut genug, so wie ich bin.“ Wiederholung ist der Schlüssel, um neue neuronale Wege zu bahnen und das alte Tonband zu überschreiben. Vermeiden Sie nicht, Fotos zu machen, sondern erlauben Sie sich, ein Porträt von sich zu machen, das nur für Sie bestimmt ist. Betrachten Sie es mit Neugierde, nicht mit Kritik.

Bitte gehen Sie behutsam mit sich um. Sie haben 62 Jahre alte Muster, die sich nicht von heute auf morgen auflösen. Suchen Sie sich gegebenenfalls eine psychologische Beratungsstelle oder eine Therapeutin vor Ort, die Sie auf diesem Weg begleitet. Sie haben das Recht, sich in Ihrem Körper wohlzufühlen und Freude an sich selbst zu haben. Sie sind keine Hochstaplerin, Sie sind eine starke Frau, die ihre eigene Geschichte umschreiben darf.

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