Psychologin Anna Klar

🧠 Mensch + Künstliche Intelligenz = Beste Lösung

„Ich fürchte, sie merken bald, dass ich hier nicht hingehöre“ – Wie ich als Teamleiterin das Hochstapler-Syndrom überwinde

Hallo zusammen, ich bin 34 Jahre alt und arbeite seit fünf Jahren als Teamleiterin in einer mittelgroßen Marketingagentur. In letzter Zeit fühle ich mich zunehmend unsicher in meiner Rolle – nicht, weil ich die fachlichen Aufgaben nicht bewältigen könnte, sondern weil ich das Gefühl habe, dass meine Position eigentlich nur auf einem Zufall oder guten Timing beruht. Konkret: Ich wurde befördert, als meine Vorgängerin überraschend kündigte, und seitdem habe ich das ständige Gefühl, dass meine Kollegen (und vor allem meine Vorgesetzten) jederzeit merken könnten, dass ich eigentlich gar nicht qualifiziert genug bin. Ich bereite mich akribisch auf Meetings vor, überarbeite Präsentationen bis spät in die Nacht und vermeide es, spontane Entscheidungen zu treffen – aus Angst, einen Fehler zu machen, der mich als ‚Hochstaplerin‘ entlarvt. Das Problem ist: Ich weiß rational, dass ich kompetent bin. Ich habe gute Feedbackgespräche, meine Teams liefern Ergebnisse, und objektiv gesehen läuft alles gut. Aber innerlich wartete ich die ganze Zeit darauf, dass jemand sagt: ‚Wie bist du nur in diese Position gekommen?‘ Jetzt steht eine große Projektpräsentation vor dem Vorstand an, und die Panik wird immer schlimmer. Ich schlafe schlecht, träume davon, dass ich vor allen stehe und keine Worte herausbringe, und überlege sogar, krank zu melden – nur um die Situation zu umgehen. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie schafft man es, dieses ständige ‚Gleich-fliegt-alles-auf‘-Gefühl loszuwerden – besonders in hochverantwortlichen Jobs? Und vor allem: Wie kann ich lernen, mir selbst zu vertrauen, ohne mich ständig mit anderen vergleichen zu müssen? Danke für jeden Rat – ich fühle mich damit so allein. Lena

Anna Klar

Psychologin und KI

Eine Teamleiterin reflektiert ihre Unsicherheiten im Büro, umgeben von positiven Rückmeldungen und leichter Angst, die das Hochstapler-Syndrom darstellen.

Liebe Lena, vielen Dank für Ihre offenen Worte. Es ist sehr mutig, diese inneren Zweifel zu teilen, und ich kann Ihnen versichern, dass das, was Sie beschreiben, ein weit verbreitetes Phänomen ist, das oft als Hochstapler-Syndrom oder Impostor-Phänomen bezeichnet wird. Es tritt besonders häufig bei kompetenten und reflektierten Menschen in verantwortungsvollen Positionen auf.

Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass Ihre Gefühle real und ernst zu nehmen sind, aber die rationale Ebene, die Sie selbst nennen – die guten Feedbacks und Ergebnisse – ist ebenso real. Das Hochstapler-Syndrom entsteht oft aus einer Diskrepanz zwischen dem eigenen Gefühl und den objektiven Fakten der Leistung. Ihre akribische Vorbereitung und das Überarbeiten bis spät in die Nacht sind typische Kompensationsstrategien, die kurzfristig Sicherheit geben, aber langfristig zu Erschöpfung und noch größerer Angst vor der Enttarnung führen können.

Ein erster Schritt kann sein, diese Muster bewusst zu unterbrechen. Versuchen Sie, für die anstehende Präsentation einen klar begrenzten Vorbereitungsrahmen zu setzen und bewusst eine kleine, unperfekte Entscheidung zu treffen. Lernen Sie, den Perfektionismus als Teil des Problems zu erkennen, nicht als Lösung. Die Angst, spontan zu entscheiden, nährt sich selbst; je mehr Sie sie vermeiden, desto bedrohlicher wird sie.

Um das Gefühl des Alleinseins zu überwinden, könnte es hilfreich sein, sich einer vertrauenswürdigen Kollegin oder einem Mentor anzuvertrauen. Oft stellt man dann fest, dass auch andere ähnliche Unsicherheiten kennen. Bauen Sie zudem eine Praxis der Selbstbestätigung auf. Führen Sie zum Beispiel ein Erfolgstagebuch, in dem Sie konkrete positive Rückmeldungen und gelöste Aufgaben notieren. Konfrontieren Sie die inneren kritischen Gedanken mit gesammelten Beweisen Ihrer tatsächlichen Kompetenz.

Für die unmittelbare Situation mit der Vorstandspräsentation: Atemübungen oder Achtsamkeitstechniken können helfen, die körperlichen Paniksymptome zu regulieren. Stellen Sie sich zudem nicht das perfekte Szenario vor, sondern überlegen Sie sich pragmatisch, wie Sie mit einem kleinen Patzer umgehen würden – das nimmt dem Schreckbild seine Macht. Das Ziel ist nicht, die Nervosität vollständig zu beseitigen, sondern sie als natürlichen Begleiter in wichtigen Situationen zu akzeptieren.

Langfristig geht es darum, Ihr Selbstvertrauen von der ständigen externen Bestätigung zu lösen. Ihr Werdegang mag ein günstiges Timing beinhaltet haben, aber die Beförderung und die erfolgreiche Arbeit seit fünf Jahren sind das Ergebnis Ihrer Fähigkeiten. Versuchen Sie, Ihre eigene Maßstäbe zu entwickeln, anstatt sich ständig mit einem imaginären Ideal zu vergleichen. Professionelle Begleitung durch Coaching oder Psychotherapie kann diesen Prozess sehr unterstützen, besonders um tiefere Glaubenssätze über Leistung und Wert zu erkunden. Sie sind mit diesen Gefühlen nicht allein, und es ist ein Zeichen von Stärke, sich damit auseinanderzusetzen.

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