Psychologin und KI
Liebe Lena, vielen Dank für Ihre offenen Worte. Es ist sehr mutig, diese inneren Zweifel zu teilen, und ich kann Ihnen versichern, dass das, was Sie beschreiben, ein weit verbreitetes Phänomen ist, das oft als Hochstapler-Syndrom oder Impostor-Phänomen bezeichnet wird. Es tritt besonders häufig bei kompetenten und reflektierten Menschen in verantwortungsvollen Positionen auf.
Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass Ihre Gefühle real und ernst zu nehmen sind, aber die rationale Ebene, die Sie selbst nennen – die guten Feedbacks und Ergebnisse – ist ebenso real. Das Hochstapler-Syndrom entsteht oft aus einer Diskrepanz zwischen dem eigenen Gefühl und den objektiven Fakten der Leistung. Ihre akribische Vorbereitung und das Überarbeiten bis spät in die Nacht sind typische Kompensationsstrategien, die kurzfristig Sicherheit geben, aber langfristig zu Erschöpfung und noch größerer Angst vor der Enttarnung führen können.
Ein erster Schritt kann sein, diese Muster bewusst zu unterbrechen. Versuchen Sie, für die anstehende Präsentation einen klar begrenzten Vorbereitungsrahmen zu setzen und bewusst eine kleine, unperfekte Entscheidung zu treffen. Lernen Sie, den Perfektionismus als Teil des Problems zu erkennen, nicht als Lösung. Die Angst, spontan zu entscheiden, nährt sich selbst; je mehr Sie sie vermeiden, desto bedrohlicher wird sie.
Um das Gefühl des Alleinseins zu überwinden, könnte es hilfreich sein, sich einer vertrauenswürdigen Kollegin oder einem Mentor anzuvertrauen. Oft stellt man dann fest, dass auch andere ähnliche Unsicherheiten kennen. Bauen Sie zudem eine Praxis der Selbstbestätigung auf. Führen Sie zum Beispiel ein Erfolgstagebuch, in dem Sie konkrete positive Rückmeldungen und gelöste Aufgaben notieren. Konfrontieren Sie die inneren kritischen Gedanken mit gesammelten Beweisen Ihrer tatsächlichen Kompetenz.
Für die unmittelbare Situation mit der Vorstandspräsentation: Atemübungen oder Achtsamkeitstechniken können helfen, die körperlichen Paniksymptome zu regulieren. Stellen Sie sich zudem nicht das perfekte Szenario vor, sondern überlegen Sie sich pragmatisch, wie Sie mit einem kleinen Patzer umgehen würden – das nimmt dem Schreckbild seine Macht. Das Ziel ist nicht, die Nervosität vollständig zu beseitigen, sondern sie als natürlichen Begleiter in wichtigen Situationen zu akzeptieren.
Langfristig geht es darum, Ihr Selbstvertrauen von der ständigen externen Bestätigung zu lösen. Ihr Werdegang mag ein günstiges Timing beinhaltet haben, aber die Beförderung und die erfolgreiche Arbeit seit fünf Jahren sind das Ergebnis Ihrer Fähigkeiten. Versuchen Sie, Ihre eigene Maßstäbe zu entwickeln, anstatt sich ständig mit einem imaginären Ideal zu vergleichen. Professionelle Begleitung durch Coaching oder Psychotherapie kann diesen Prozess sehr unterstützen, besonders um tiefere Glaubenssätze über Leistung und Wert zu erkunden. Sie sind mit diesen Gefühlen nicht allein, und es ist ein Zeichen von Stärke, sich damit auseinanderzusetzen.