Psychologin Anna Klar

🧠 Mensch + Künstliche Intelligenz = Beste Lösung

„Ich baue eine Mauer um mich“: Wenn die Liebe zum Beruf unter hyperaktiven Kindern und Schuldgefühlen erstickt

Hallo zusammen, ich heiße Marina, bin 46 Jahre alt und arbeite seit über 20 Jahren als Grundschullehrerin. Seit etwa einem Jahr merke ich, wie mich die ständige Verantwortung für meine Klasse – besonders für die Kinder mit hyperaktivem Verhalten – immer mehr auslaugt. Es sind nicht nur die täglichen Herausforderungen im Unterricht, sondern auch die Gespräche mit besorgten Eltern, die oft ungeduldig oder sogar vorwurfsvoll reagieren, wenn ich ihnen erkläre, dass ihr Kind vielleicht zusätzliche Unterstützung braucht. Letztens hatte ich eine Situation, in der ein Junge (7) während einer stillen Arbeitsphase plötzlich seinen Stuhl umwarf und anfing, durch das Klassenzimmer zu rennen. Ich habe versucht, ruhig zu bleiben, aber innerlich war ich wie gelähmt – mein Herz raste, und ich spürte, wie mir die Tränen kamen. Seitdem wache ich nachts auf und grüble, ob ich genug tue. Mein Arzt sagt, das seien klassische Anzeichen für psychosomatischen Stress, aber ich habe Angst, dass ich bald komplett versage. Gleichzeitig schäme ich mich fast, das zuzugeben: Ich fange an, manche Kinder zu meiden – besonders die, die viel Aufmerksamkeit brauchen. Ich weiß, dass das falsch ist, aber ich kann nicht anders. Es ist, als würde ich innerlich eine Mauer hochziehen, um mich zu schützen. Und dann kommt noch das schlechte Gewissen, weil ich das Gefühl habe, ich sollte stärker sein. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht? Wie schafft ihr es, nicht in diese Abwärtsspirale aus Erschöpfung und Schuldgefühlen zu geraten? Und vor allem: Wie kann ich lernen, diese Kinder wieder mit mehr Geduld und ohne diese innere Abwehr zu begleiten – bevor ich selbst zusammenbreche? Vielen Dank für eure Gedanken. Marina

Anna Klar

Psychologin und KI

Eine Grundschullehrerin fühlt sich im Klassenzimmer überfordert, während ein Kind rennt. Eine warme Lichtpräsenz symbolisiert psychologische Unterstützung und Selbstfürsorge.

Liebe Marina, vielen Dank, dass Sie sich mit Ihrer sehr persönlichen und bewegenden Frage an uns wenden. Es ist verständlich, dass Sie nach über 20 Jahren im Beruf nun an einen Punkt kommen, an dem die Belastungen, insbesondere durch hyperaktive Kinder und fordernde Elterngespräche, Sie zutiefst erschöpfen. Ihre Schilderung der Situation mit dem Jungen und Ihrer inneren Reaktion darauf zeigt deutlich, wie überwältigend die Anforderungen geworden sind. Ihre Gefühle der Erschöpfung, der Lähmung und der Schuld sind eine verständliche Reaktion auf chronischen Stress und keine persönliche Schwäche. Viele Menschen in helfenden Berufen erleben ähnliche Phasen.

Zunächst ist es wichtig, Ihre eigenen Grenzen anzuerkennen. Die von Ihrem Arzt erwähnten psychosomatischen Stresszeichen sind ernstzunehmende Warnsignale Ihres Körpers, die nach einer Veränderung verlangen. Das Gefühl, eine Mauer hochzuziehen und bestimmte Kinder zu meiden, ist ein Schutzmechanismus, den Ihr Unterbewusstsein aktiviert, um Sie vor weiterer Überforderung zu bewahren. Anstatt sich dafür zu schämen, können Sie dies als Hinweis darauf verstehen, dass Ihre Ressourcen aktuell erschöpft sind und Sie dringend neue Kraftquellen benötigen.

Um aus der Abwärtsspirale auszusteigen, braucht es oft mehrere Ansätze. Ein erster Schritt kann sein, professionelle Unterstützung für sich selbst in Anspruch zu nehmen. Eine psychologische Beratung kann Ihnen helfen, Bewältigungsstrategien zu entwickeln und die belastenden Gedankenmuster, wie das nächtliche Grübeln und die Schuldgefühle, zu durchbrechen. Die Investition in Ihre eigene psychische Gesundheit ist keine Schwäche, sondern eine notwendige Voraussetzung, um langfristig für andere da sein zu können. Parallel dazu wäre es hilfreich, im schulischen Umfeld nach Entlastung zu suchen. Könnten Sie mit der Schulleitung über Ihre Belastung sprechen und nach Möglichkeiten fragen, wie Sie unterstützt werden können? Vielleicht gibt es die Option einer Supervision, einer zeitweisen Reduzierung der Klassenstärke oder einer besseren Zusammenarbeit mit Schulsozialarbeit oder Integrationskräften für die Kinder mit besonderem Förderbedarf.

Für den Umgang mit den Kindern selbst, die Sie momentan als besonders anstrengend erleben, kann eine kleine Veränderung der Perspektive entlastend wirken. Versuchen Sie, sich in kurzen Momenten bewusst zu machen, dass das Verhalten des Kindes nicht gegen Sie persönlich gerichtet ist, sondern Ausdruck seiner eigenen Überforderung oder seines Entwicklungsstandes ist. Das Ziel ist nicht, sofort wieder unbegrenzt Geduld aufbringen zu können, sondern zunächst, die automatische innere Abwehr bewusst wahrzunehmen und einen kleinen Schritt in Richtung neutralere Betrachtung zu machen. Setzen Sie klare, kleine Ziele für sich selbst, zum Beispiel: Heute atme ich dreimal tief durch, bevor ich auf eine Störung reagiere. Jeder noch so kleine Erfolg zählt.

Vergessen Sie nicht, außerhalb der Schule aktiv für Ausgleich zu sorgen. Rituale der Abgrenzung und Erholung sind essenziell, um die Batterien wieder aufzuladen. Das kann ein Spaziergang nach der Arbeit sein, bei dem Sie bewusst den Schulalltag hinter sich lassen, ein Hobby, das Ihnen Freude bereitet, oder der Austausch mit Menschen, die nichts mit der Schule zu tun haben. Es geht darum, sich selbst wieder als Marina wahrzunehmen und nicht nur als Lehrerin. Ihre langjährige Leidenschaft für den Beruf ist nicht verschwunden, sie wird momentan nur von Erschöpfung und Schutzmechanismen überlagert. Mit der richtigen Unterstützung und Selbstfürsorge können Sie einen Weg finden, diese Leidenschaft behutsam wiederzuentdecken, ohne sich selbst dabei zu verlieren. Sie sind mit diesen Gefühlen nicht allein, und es ist ein Zeichen von Stärke, Hilfe zu suchen und Veränderungen anzugehen.

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