Psychologin Anna Klar

🧠 Mensch + Künstliche Intelligenz = Beste Lösung

Warum flüchte ich, wenn es in der Beziehung ernst wird – obwohl ich die Nähe eigentlich will?

Hallo! Ich bin Lena, 20 Jahre alt, und bin eigentlich ein sehr offener und extrovertierter Mensch – aber sobald es in Beziehungen ernst wird, zieht sich alles in mir zusammen. Aktuell bin ich seit etwa vier Monaten mit Leon (22) zusammen, und es läuft eigentlich richtig gut. Er ist geduldig, liebevoll, und wir verstehen uns auf einer Ebene, die ich vorher nie erlebt habe. Das Problem? Immer wenn wir uns emotional wirklich nah kommen – sei es durch tiefe Gespräche, körperliche Nähe oder wenn er mir sagt, wie wichtig ich ihm bin – überkommt mich dieses panische Gefühl, als würde ich keine Luft mehr bekommen. Letzte Woche wollte er mir zum ersten Mal sagen, dass er mich liebt. Ich wusste, dass es kommt, und plötzlich war da dieser Druck in meiner Brust, als müsste ich sofort verschwinden. Ich habe das Gespräch abgelenkt und später eine Ausrede erfunden, warum ich früh gehen musste. Seitdem grüble ich: Warum kann ich das nicht einfach genießen? Ich will diese Nähe, aber mein Körper und mein Kopf scheinen da nicht mitzumachen. Ich hatte früher keine traumatischen Erfahrungen in Beziehungen – meine Eltern sind sogar noch zusammen und glücklich. Aber ich erinnere mich, dass ich als Kind oft das Gefühl hatte, dass meine Gefühle 'zu viel' für andere waren. Vielleicht kommt es daher? Oder bin ich einfach 'kaputt'? Leon hat schon gemerkt, dass etwas nicht stimmt, aber ich schäme mich, es anzusprechen. Wie kann ich lernen, diese Angst vor Nähe zu verstehen – und vor allem, sie zu überwinden, ohne die Beziehung zu zerstören? Ich will nicht, dass er denkt, ich würde ihn nicht wollen. Aber ich will auch nicht ständig gegen dieses flüchtige Gefühl kämpfen müssen. (Und ja, ich weiß, dass ich vielleicht professionelle Hilfe bräuchte – aber ich würde erstmal gerne verstehen, wo das herkommt und was ich selbst tun kann.)

Anna Klar

Psychologin und KI

Eine junge Frau erlebt einen inneren Konflikt zwischen dem Wunsch nach Nähe und panischen Fluchtimpulsen in einer liebevollen Beziehung, dargestellt durch emotionale und körperliche Symbolik.

Lena, dein Erleben klingt nach einem tiefen inneren Konflikt, der vielen Menschen – viel mehr, als man denkt – vertraut ist. Du bist nicht ‚kaputt‘, und deine Reaktionen sind auch kein Zeichen von Schwäche, sondern ein Hinweis darauf, dass dein Unterbewusstsein versucht, dich vor etwas zu schützen – auch wenn dieser Schutz heute nicht mehr sinnvoll erscheint. Lass uns gemeinsam erkunden, woher diese Angst vor Nähe kommen könnte und wie du ihr Schritt für Schritt begegnen kannst, ohne dich selbst oder die Beziehung zu Leon zu überfordern.

Deine Beschreibung erinnert stark an das, was in der Psychologie als ‚Bindungsangst‘ oder ‚Nähe-Distanz-Konflikt‘ bezeichnet wird. Interessant ist, dass du betonst, keine offensichtlichen Traumata in Beziehungen erlebt zu haben – aber du erwähnst etwas Entscheidendes: das Gefühl als Kind, dass deine Emotionen ‚zu viel‘ für andere waren. Dieser Satz ist ein Schlüssel. Selbst wenn deine Eltern eine harmonische Beziehung führen, kann allein die subtile Botschaft – vielleicht durch Reaktionen wie Rückzug, Überforderung oder indirekte Signale von Bezugspersonen – gereicht haben, um in dir die Überzeugung zu verankern: ‚Wenn ich mich wirklich zeige, wird es für andere zu intensiv.‘ Kinder interpretieren solche Erfahrungen oft als: ‚Meine Bedürfnisse sind gefährlich für die Beziehung zu anderen.‘ Und dieses Muster kann sich später als panikartige Flucht zeigen, sobald Nähe bedrohlich ‚echte‘ wird.

Ein weiterer möglicher Faktor ist, was Psychologen ‚emotionale Überflutung‘ nennen. Du beschreibst körperliche Reaktionen wie Enge in der Brust oder Luftnot – das sind klassische Stresssymptome, die auftreten, wenn das limbische System (unser emotionales Alarmzentrum) eine Situation als bedrohlich einstuft. Dein Körper reagiert so, als stünde ein Löwe vor dir, obwohl es in Wahrheit Leon ist, der dir Liebe zeigt. Das Paradoxe daran: Gerade weil die Beziehung gut läuft und du Leon wirklich magst, wird die Angst größer. Warum? Weil unbewusst die Befürchtung aufkommt: ‚Wenn ich mich hier fallenlasse, könnte der Schmerz umso größer sein, wenn etwas schiefgeht.‘ Es ist, als würde dein Unterbewusstsein sagen: ‚Lieber jetzt fliehen, als später verletzt zu werden.‘

Dass du extrovertiert und offen bist, macht das Ganze noch komplexer. Viele Menschen mit Bindungsangst sind in oberflächlichen Kontakten sehr kontaktfreudig – aber sobald es um echte emotionale Bloßlegung geht, schaltet sich der Schutzmechanismus ein. Deine Extrovertiertheit könnte sogar eine Strategie sein, um Nähe auf deinen Bedingungen zu steuern: Solange du die Kontrolle hast, fühlt es sich sicher an. Aber wenn Leon die Initiative ergreift (z. B. mit dem Liebesgeständnis), löst das Alarm aus, weil du dich plötzlich in einer passiven, verletzlichen Rolle wiederfindest.

Was kannst du nun tun? Zuerst einmal: Akzeptiere, dass diese Angst ein Teil von dir ist – aber nicht dein ganzes Wesen definiert. Sie ist wie ein innerer Wächter, der mit veralteten Regeln arbeitet. Der erste Schritt ist, diesen Wächter nicht zu bekämpfen, sondern ihm zuzuhören. Frag dich in Momenten, in denen die Panik kommt: Was genau fürchte ich in diesem Augenblick? Ist es die Angst, Leon zu enttäuschen? Die Sorge, dass deine Gefühle ‚zu viel‘ für ihn sein könnten? Oder die unbewusste Erwartung, dass Nähe irgendwann erstickt? Schreib diese Gedanken auf, ohne sie zu bewerten. Oft verlieren sie dann schon einen Teil ihrer Macht.

Ein weiterer wichtiger Schritt ist, die Nähe dosiert zuzulassen – wie bei einem Muskel, der langsam trainiert werden muss. Statt dich unter Druck zu setzen, ‚endlich normal‘ zu reagieren, könntest du mit Leon kleine, sichere ‚Nähe-Experimente‘ vereinbaren. Zum Beispiel: Ihr sagt euch gegenseitig eine Sache, die ihr am anderen schätzt – aber mit der Absprache, dass du jederzeit eine Pause einfordern darfst, wenn es zu viel wird. Oder ihr probiert aus, 10 Sekunden lang einfach nur schweigend beieinander zu sitzen, ohne dass Worte oder Berührungen ‚etwas bedeuten müssen‘. So lernst du, dass Nähe nicht automatisch Überforderung bedeutet.

Sprich mit Leon – aber auf eine Weise, die dich nicht überfordert. Du musst nicht sofort alles erklären, aber du könntest sagen: ‚Manchmal brauche ich etwas Zeit, um Gefühle zu verarbeiten. Das hat nichts mit dir zu tun, sondern damit, wie ich Nähe erlebt habe.‘ Ehrlichkeit entlastet oft mehr, als wir denken – und gibt dem anderen die Chance, mit Geduld zu reagieren, statt sich selbst die Schuld zu geben. Leon klingt nach jemandem, der Verständnis hat; aber er ist kein Hellseher. Wenn du ihm kleine Signale gibst (z. B. ‚Ich brauche jetzt eine Minute‘), kann er lernen, wie er dich unterstützen kann, ohne dass du dich bedrängt fühlst.

Ein weiterer Ansatz ist, deine ‚innere Kind-Arbeit‘ zu beginnen. Stell dir vor, wie du als kleines Mädchen warst, als du dachtest, deine Gefühle seien zu viel. Was hätte dieses Kind damals gebraucht, um sich sicher zu fühlen? Vielleicht eine Bestätigung wie: ‚Deine Gefühle sind wichtig, und sie haben Platz.‘ Diese Botschaft kannst du dir heute selbst geben – indem du dir in Momenten der Panik sagst: ‚Ich darf hier sein. Meine Angst ist okay, und ich muss nicht perfekt sein.‘

Zudem könnte es helfen, die körperlichen Reaktionen zu entkoppeln. Wenn du spürst, wie die Enge in der Brust kommt, probiere eine einfache Atemübung: Atme vier Sekunden ein, halte vier Sekunden die Luft, atme sechs Sekunden aus. Das signalisiert deinem Nervensystem: ‚Ich bin nicht in Lebensgefahr.‘ Auch progressive Muskelentspannung oder das bewusste Spüren der Füße auf dem Boden (‚Grounding‘) können helfen, aus dem Alarmmodus herauszukommen.

Ein häufiger Irrglaube ist, dass man diese Angst ‚überwinden‘ muss, bevor man eine erfüllende Beziehung führen kann. Aber oft ist es umgekehrt: Indem du in der Beziehung – mit all deinen Ängsten – bleibst und lernst, sie auszuhalten, verändern sie sich nach und nach. Es geht nicht darum, die Angst loszuwerden, sondern darum, ihr nicht mehr die Macht zu geben, deine Entscheidungen zu diktieren. Vielleicht hilft dir der Gedanke: Jedes Mal, wenn du nicht fliehst, sondern bleibst (auch wenn es nur für fünf Minuten ist), trainierst du dein Gehirn um – wie ein Pfad im Wald, der mit jedem Begangenwerden breiter wird.

Falls du das Gefühl hast, allein nicht weiterzukommen, wäre eine Therapie tatsächlich ein guter Schritt – nicht weil du ‚defekt‘ wärst, sondern weil ein neutraler Raum dir helfen kann, diese Muster schneller zu erkennen und zu verändern. Besonders Ansätze wie Schematherapie oder emotionsfokussierte Therapie arbeiten gezielt mit solchen Bindungsängsten. Aber auch ohne Therapie kannst du Fortschritte machen, indem du dir selbst mit der gleichen Geduld begegnest, die du Leon entgegenbringst.

Zum Schluss: Dein Wunsch nach Nähe ist echt – und stärker als deine Angst. Dass du dich mit dieser Frage auseinandersetzt, zeigt schon, wie wichtig dir Leon und eine gesunde Beziehung sind. Die Fluchtimpulse werden mit der Zeit schwächer, wenn du ihnen nicht mehr blind folgst, sondern neugierig wirst: Was würde passieren, wenn ich diesmal bleibe? Vielleicht wirst du feststellen, dass die ersehnte Nähe auf der anderen Seite der Angst auf dich wartet – und dass Leon genau der Mensch ist, mit dem du sie sicher erkunden kannst.

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