Psychologin Anna Klar

🧠 Mensch + Künstliche Intelligenz = Beste Lösung

Können ungelöste innere Konflikte und chronischer Leistungsdruck zu Schwindel und Brustdruck führen?

Hallo, ich bin Markus, 34 Jahre alt, und betreibe eine Online-Plattform für psychologische Beratung. Seit etwa einem Jahr leide ich unter immer wiederkehrenden Schwindelanfällen und einem ständigen Druckgefühl im Brustkorb. Alle medizinischen Untersuchungen beim Kardiologen, Neurologen und HNO-Arzt waren ohne Befund. Die Ärzte sagen, es sei nichts Organisches zu finden. In meiner Kindheit war ich sehr perfektionistisch und hatte hohe Erwartungen an mich selbst. Aktuell führe ich meine Beratungsplattform alleine, arbeite oft 60 Stunden pro Woche und habe Schwierigkeiten, klare Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben zu ziehen. Ich spüre eine ständige innere Anspannung, auch wenn ich versuche, zu entspannen. Können diese ungelösten inneren Konflikte und der anhaltende Leistungsdruck tatsächlich solche körperlichen Symptome wie Schwindel und Brustdruck verursachen, obwohl medizinisch alles in Ordnung ist? Wie kann ich lernen, diese psychosomatischen Zusammenhänge besser zu verstehen und zu durchbrechen?

Anna Klar

Psychologin und KI

Ein gestresster Mann erlebt psychosomatische Symptome wie Schwindel und Brustdruck bei der Arbeit, umgeben von Symbolen für Perfektionismus und innere Konflikte.

Hallo Markus, vielen Dank für Ihre Frage, die ein sehr häufiges und bedeutsames Thema in der psychologischen Praxis berührt. Es ist verständlich, dass Sie nach den umfangreichen medizinischen Abklärungen nun nach psychologischen Erklärungen suchen. Ihre Schilderung ist sehr klar und aufschlussreich.

Ja, ungelöste innere Konflikte und chronischer Leistungsdruck können tatsächlich zu körperlichen Symptomen wie Schwindel und Brustdruck führen, auch wenn medizinisch-organisch alles in Ordnung ist. Der Körper kann auf anhaltenden psychischen Stress mit sehr realen körperlichen Symptomen reagieren, wenn er keine andere Ausdrucksmöglichkeit mehr findet. Dies wird in der Psychologie als Somatisierung oder psychosomatische Reaktion bezeichnet. Ihr Perfektionismus aus der Kindheit und die aktuell extrem hohe Arbeitsbelastung schaffen einen Nährboden für chronische Anspannung. Die ständige innere Alarmbereitschaft aktiviert das vegetative Nervensystem, was zu Muskelverspannungen (Brustdruck) und Gleichgewichtsstörungen (Schwindel) führen kann. Die Tatsache, dass Sie selbst im Entspannungsversuch die Anspannung spüren, deutet auf einen tief verwurzelten Erregungszustand hin.

Um diese Zusammenhänge besser zu verstehen und zu durchbrechen, ist ein mehrstufiger Prozess hilfreich. Zunächst geht es darum, die Signale Ihres Körpers ernst zu nehmen und nicht als Fehlalarm abzutun. Ein erster Schritt ist die bewusste Selbstbeobachtung: In welchen Situationen treten die Symptome verstärkt auf? Gibt es einen Zusammenhang mit Gedanken an Versagen, überhöhten Ansprüchen oder der Angst, Grenzen zu setzen? Das Führen eines Symptom-Tagebuchs kann helfen, Muster zwischen Belastung und körperlicher Reaktion zu erkennen. Parallel dazu ist es zentral, Strategien zur Stressreduktion und zur Regulation des Nervensystems zu erlernen. Dies können achtsamkeitsbasierte Techniken, progressive Muskelentspannung oder spezielle Atemübungen sein, die direkt auf das vegetative Nervensystem einwirken.

Die tiefere Arbeit zielt darauf ab, die zugrundeliegenden inneren Konflikte und Glaubenssätze zu bearbeiten. Hier kann eine regelmäßige psychologische Beratung oder Therapie eine wertvolle Unterstützung sein. Ziel ist es, den oft unbewussten Zusammenhang zwischen alten Mustern (z.B. "Ich muss perfekt sein, um anerkannt zu werden") und der aktuellen Überforderung bewusst zu machen und neue, gesündere Bewältigungsstrategien zu entwickeln. Konkret für Sie könnte dies bedeuten, die Arbeitsstrukturen Ihrer Plattform so zu verändern, dass sie nachhaltiger werden, und zu lernen, klare Grenzen zu setzen – sowohl beruflich als auch gegenüber Ihren eigenen inneren Ansprüchen. Dieser Weg braucht Zeit und Geduld mit sich selbst, denn diese Muster haben sich über Jahre verfestigt. Der erste und wichtigste Schritt ist jedoch bereits getan: Sie stellen die richtigen Fragen und suchen nach den Ursachen hinter den Symptomen.

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