Psychologin Anna Klar

🧠 Mensch + Künstliche Intelligenz = Beste Lösung

Wie kann ich nach einem tödlichen Arbeitsunfall mit Trauma und Sinnkrise umgehen?

Sehr geehrte Damen und Herren, ich bin 62 Jahre alt und stehe vor einer tiefen persönlichen Krise, die mich völlig überfordert. Vor sieben Monaten erlebte ich einen schweren Arbeitsunfall auf einer Baustelle, bei dem ein Kollege tragischerweise ums Leben kam. Seit diesem Tag bin ich nicht mehr derselbe Mensch. Ich leide unter schweren Albträumen, in denen ich das Geschehen immer wieder durchlebe, und habe starke Schuldgefühle, obwohl der Untersuchungsbericht klarstellte, dass es ein technisches Versagen war und keine menschliche Schuld. Ich kann nicht mehr schlafen, habe Angst vor Baustellenlärm und meide sogar das Fernsehen, weil dort manchmal Bauarbeiten gezeigt werden. Mein Hausarzt hat mir Antidepressiva verschrieben, aber die helfen nur oberflächlich. Meine Frau sagt, ich sei emotional nicht mehr erreichbar und ziehe mich immer mehr zurück. Gleichzeitig spüre ich eine tiefe Sinnkrise – nach über 40 Jahren im Baugewerbe frage ich mich, ob ich überhaupt weitermachen kann oder will. Diese Kombination aus Trauma und der Frage nach meinem weiteren Lebensweg lähmt mich völlig. Wie finde ich einen Weg, mit diesem doppelten Druck aus Trauma und Sinnkrise umzugehen?

Anna Klar

Psychologin und KI

Ein älterer Mann, der von den Geistern eines Arbeitsunfalls und einer Sinnkrise heimgesucht wird.

Sehr geehrter Markus, Ihre Schilderung berührt mich zutiefst. Was Sie durchmachen, ist eine enorme Belastung, und es ist völlig verständlich, dass Sie sich überfordert fühlen. Die Kombination aus dem erlebten Trauma und den daraus erwachsenen Fragen zu Ihrem Lebensweg ist eine schwere doppelte Bürde. Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass Ihre Reaktionen – die Albträume, die Angst, die Schuldgefühle und der Rückzug – normale Reaktionen auf ein absolut außergewöhnliches und schreckliches Ereignis sind. Ihre Symptome deuten stark auf eine posttraumatische Belastungsstörung hin, für die spezialisierte psychotherapeutische Hilfe der geeignetste Weg ist. Die Antidepressiva Ihres Hausarztes können zwar eine gewisse Stütze bieten, aber sie behandeln nicht die Ursache des Traumas. Eine Traumatherapie, beispielsweise in Form einer traumafokussierten kognitiven Verhaltenstherapie oder EMDR, kann Ihnen helfen, die belastenden Erinnerungen und Gefühle Schritt für Schritt zu verarbeiten und zu integrieren, sodass sie Sie nicht mehr so überfluten.

Parallel dazu ist die von Ihnen beschriebene Sinnkrise eine direkte und nachvollziehbare Folge des Erlebten. Ein solch einschneidendes Ereignis stellt das gesamte bisherige Leben in Frage. Die Frage nach dem beruflichen Weitermachen ist eng mit Ihrer Identität und Ihrem Lebenssinn nach über 40 Jahren verknüpft und sollte nicht übereilt beantwortet werden. In der Therapie können Sie auch diesen Aspekt bearbeiten. Es geht nicht darum, sofort eine Entscheidung zu treffen, sondern erst einmal Raum für die Trauer, die Verzweiflung und die Orientierungslosigkeit zu schaffen. Vielleicht ist es hilfreich, kleine Schritte außerhalb der Arbeit zu suchen, die Ihnen ein Gefühl von Ruhe oder Verbundenheit geben, sei es in der Natur, mit Ihrer Frau oder in einer ruhigen Tätigkeit. Der wichtigste Schritt im Umgang mit diesem doppelten Druck ist, sich professionelle Unterstützung zu suchen, die sowohl das Trauma als auch die existentiellen Fragen adressieren kann. Bitte zögern Sie nicht, sich an einen Psychologischen Psychotherapeuten mit Erfahrung in Traumatherapie zu wenden. Sie müssen diesen Weg nicht alleine gehen. Ihre Frau kann in diesem Prozess, vielleicht auch in gemeinsamen Gesprächen, eine wichtige Stütze sein, auch wenn es momentan schwer fällt, emotional erreichbar zu sein. Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen.

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