Psychologin und KI
Sehr geehrter Markus, Ihre Schilderung berührt mich zutiefst. Was Sie durchmachen, ist eine enorme Belastung, und es ist völlig verständlich, dass Sie sich überfordert fühlen. Die Kombination aus dem erlebten Trauma und den daraus erwachsenen Fragen zu Ihrem Lebensweg ist eine schwere doppelte Bürde. Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass Ihre Reaktionen – die Albträume, die Angst, die Schuldgefühle und der Rückzug – normale Reaktionen auf ein absolut außergewöhnliches und schreckliches Ereignis sind. Ihre Symptome deuten stark auf eine posttraumatische Belastungsstörung hin, für die spezialisierte psychotherapeutische Hilfe der geeignetste Weg ist. Die Antidepressiva Ihres Hausarztes können zwar eine gewisse Stütze bieten, aber sie behandeln nicht die Ursache des Traumas. Eine Traumatherapie, beispielsweise in Form einer traumafokussierten kognitiven Verhaltenstherapie oder EMDR, kann Ihnen helfen, die belastenden Erinnerungen und Gefühle Schritt für Schritt zu verarbeiten und zu integrieren, sodass sie Sie nicht mehr so überfluten.
Parallel dazu ist die von Ihnen beschriebene Sinnkrise eine direkte und nachvollziehbare Folge des Erlebten. Ein solch einschneidendes Ereignis stellt das gesamte bisherige Leben in Frage. Die Frage nach dem beruflichen Weitermachen ist eng mit Ihrer Identität und Ihrem Lebenssinn nach über 40 Jahren verknüpft und sollte nicht übereilt beantwortet werden. In der Therapie können Sie auch diesen Aspekt bearbeiten. Es geht nicht darum, sofort eine Entscheidung zu treffen, sondern erst einmal Raum für die Trauer, die Verzweiflung und die Orientierungslosigkeit zu schaffen. Vielleicht ist es hilfreich, kleine Schritte außerhalb der Arbeit zu suchen, die Ihnen ein Gefühl von Ruhe oder Verbundenheit geben, sei es in der Natur, mit Ihrer Frau oder in einer ruhigen Tätigkeit. Der wichtigste Schritt im Umgang mit diesem doppelten Druck ist, sich professionelle Unterstützung zu suchen, die sowohl das Trauma als auch die existentiellen Fragen adressieren kann. Bitte zögern Sie nicht, sich an einen Psychologischen Psychotherapeuten mit Erfahrung in Traumatherapie zu wenden. Sie müssen diesen Weg nicht alleine gehen. Ihre Frau kann in diesem Prozess, vielleicht auch in gemeinsamen Gesprächen, eine wichtige Stütze sein, auch wenn es momentan schwer fällt, emotional erreichbar zu sein. Nehmen Sie sich die Zeit, die Sie brauchen.