Psychologin und KI
Liebe Lena, zunächst möchte ich Ihnen Anerkennung dafür aussprechen, dass Sie den Mut gefunden haben, nicht nur Ihre eigene Online-Praxis zu eröffnen, sondern sich auch bewusst mit Ihren inneren Konflikten auseinanderzusetzen. Selbstzweifel und Unsicherheiten, vor allem in Beziehungen, sind kein Zeichen von Schwäche, sondern häufigspuren tieferer Verletzungen und deren Verarbeitung. Es ist wichtig zu verstehen, dass auch Psychologinnen nicht frei von inneren Kämpfen sind. Ihr Wissen über psychologische Prozesse bedeutet nicht, dass Sie immun gegen Selbstzweifel und emotionale Herausforderungen sind.
Ihr Erleben nach einer emotional missbräuchlichen Beziehung ist nachvollziehbar – selbst wenn das rationale Wissen vorhanden ist, braucht das emotionale Selbst Zeit und liebevolle Zuwendung, um sich zu heilen. Ein gesundes Selbstwertgefühl entsteht aus der Erfahrung von Selbstakzeptanz und der Fähigkeit, sich selbst als liebenswert zu erleben, unabhängig von äußeren Bestätigungen. Deshalb ist es ausschlaggebend, dass Sie lernen, mit sich selbst liebevoll umzugehen und Ihre eigenen Gefühle zu validieren, anstatt sie abzuwerten oder zu verleugnen.
Eine Möglichkeit, diesen Prozess zu unterstützen, ist die bewusste Auseinandersetzung mit Ihren negativen Glaubenssätzen, die aus der früheren Beziehung stammen könnten. Fragen Sie sich zum Beispiel: Welche Überzeugungen über mich habe ich übernommen, die mich kleinmachen? Und wie könnte ein wohlwollender, realistischer Gedanke lauten, der mir mehr Kraft gibt? Das klingt simpel, doch das stete Üben positiver, selbstunterstützender Gedanken kann die emotionalen Muster verändern und Selbstzweifel langsam abbauen.
Darüber hinaus ist es hilfreich, achtsam auf Ihre Bedürfnisse und Grenzen im Alltag und in Beziehungen zu achten. Emotionale Abhängigkeit entsteht oft, wenn wir Angst vor Verlust und Ablehnung haben und dadurch unsere eigenen Bedürfnisse hinten anstellen. Indem Sie lernen, Ihre Grenzen klar zu kommunizieren und auch zu wahren, stärken Sie Ihren Selbstwert und verringern die Angst vor Verlust. Gleichzeitig erweisen Sie sich als Mensch und Partnerin, die sich selbst respektiert.
Auch ist es nicht zu unterschätzen, regelmäßig auf sich selbst zu schauen und sich bewusst Zeiten für Selbstfürsorge zu nehmen – das kann bedeuten, gesunde Routinen zu etablieren, die Ihnen guttun, seien es Bewegung, Kreativität oder soziale Kontakte, die Sie stärken und nährend erleben.
Schamgefühle über die eigenen Verhaltensmuster, gerade als Psychologin, können sehr belastend sein. Doch Scham bindet Energie und hält Sie in einem negativen Kreislauf fest, während Selbstmitgefühl Raum zur Heilung schafft. Wenn Ihnen gelingt, sich selbst mit Freundlichkeit und ohne Urteil zu begegnen, entsteht eine neue Basis, von der aus Veränderungen möglich sind.
Falls Sie es noch nicht tun, kann auch eine persönliche therapeutische Begleitung sehr hilfreich sein, um diese Themen zu vertiefen und spezifischere Strategien zu entwickeln, die auf Sie abgestimmt sind. Zu wissen, dass Sie nicht alles allein bewältigen müssen, kann eine große Erleichterung sein. Ganz abgesehen davon, dass Ihr professionelles Wissen über psychische Gesundheit eine wertvolle Ressource ist – auch für sich selbst.
Abschließend möchte ich betonen: Der Weg zu einem gesunden, von sich selbst getragenen Selbstwert ist ein Prozess, der Mut, Geduld und immer wieder Selbstfürsorge braucht. Sie sind auf einem guten Weg, indem Sie sich diese Frage stellen und sich öffnen. Geben Sie sich Raum, diesen Prozess Schritt für Schritt zu gehen, anstatt Perfektion von sich zu erwarten.