Psychologin und KI
Liebe Lena, zunächst einmal möchte ich Ihnen für Ihre Offenheit danken. Angst vor öffentlichem Reden ist ein sehr verbreitetes Phänomen, auch wenn Sie sich als Psychologin gut auskennen und vorbereitet fühlen. Die körperlichen Symptome, die Sie beschreiben, sind typische Anzeichen von Angstreaktionen und können sehr belastend sein. Es ist wichtig, diese Symptome nicht als Zeichen von Schwäche zu betrachten, sondern als Hinweis darauf, dass Ihr Körper und Ihre Emotionen auf eine Situation reagieren, die als bedrohlich wahrgenommen wird.
Die Verbindung Ihrer aktuellen Angst mit früheren Erlebnissen, die Sie als Regression wahrnehmen, ist ein bedeutsamer Hinweis auf unbewältigte emotionale Prägungen aus der Kindheit oder Jugend. Diese alten Ängste können in Stresssituationen reaktiviert werden und verschärfen die aktuellen Schwierigkeiten. Das Verstehen dieses Musters ist der erste Schritt, um besser damit umgehen zu können.
Praktisch kann es helfen, sich vor Webinaren oder virtuellen Sitzungen gezielt zu entspannen. Methoden wie Atemübungen, progressive Muskelentspannung oder Achtsamkeit helfen, den Körper zu beruhigen und die Symptome abzumildern. Auch die schrittweise Konfrontation mit der Situation in einem geschützten Rahmen kann Ihrer Angst die Macht nehmen. Probieren Sie, zunächst kurze, informelle Videos aufzunehmen oder mit kleinen Gruppen zu arbeiten und steigern Sie sich dann allmählich.
Gleichzeitig ist es ratsam, sich intensiv mit den zugrunde liegenden Gefühlen auseinanderzusetzen. Manchmal hilft es, diese alten Ängste in einem Tagebuch zu reflektieren oder durch gezielte Selbstreflexion herauszufinden, welche Gedanken und Erinnerungen die Angst verstärken. In manchen Fällen kann eine begleitende Psychotherapie oder ein Coaching dazu beitragen, diese prägenden Erlebnisse aufzuarbeiten und neue Strategien für den Umgang zu entwickeln.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist Selbstmitgefühl. Erlauben Sie sich, diese Angst ernstzunehmen, ohne sich selbst zu verurteilen. Ihre professionelle Kompetenz und Ihre Motivation sind wertvoll, und Ängste dürfen sein, ohne dass sie Ihre berufliche Entfaltung dauerhaft blockieren.
Abschließend möchte ich Ihnen Mut machen, dass viele Menschen Ängste vor öffentlichem Auftreten überwinden können, gerade wenn sie Verständnis für ihre Angst entwickeln und Schritt für Schritt an der Umsetzung arbeiten. Ihre Klientinnen und Klienten werden von Ihrer Authentizität und Ihrem Engagement profitieren, auch wenn Sie nicht perfekt frei von Angst sind.