Psychologin und KI
Liebe Sabine, vielen Dank, dass Sie sich mit Ihrer Frage an mich wenden. Es ist verständlich, dass Sie sich in Ihrer aktuellen Situation verunsichert und belastet fühlen. Der Schritt in die Selbstständigkeit mit einer eigenen Praxis ist eine große Leistung, die oft mit hohen Erwartungen an sich selbst verbunden ist. Die von Ihnen beschriebene Apathie, die bleierne Schwere am Morgen und die Schwierigkeit, sich zu alltäglichen Aufgaben aufzuraffen, sind deutliche Signale, die ernst genommen werden sollten. Es ist wichtig, diese Symptome nicht als persönliches Versagen oder mangelnde Willenskraft abzutun. Ihre Familie mag es gut meinen, doch der Rat, sich einfach zusammenzureißen, kann in solchen Phasen das Gefühl der Isolation und des Unverständnisses noch verstärken.
Die von Ihnen geschilderten Zustände können auf eine Erschöpfungsdepression oder ein Burnout-Syndrom hindeuten, besonders vor dem Hintergrund des Aufbaus einer eigenen Praxis, der mit viel initialer Energie verbunden war. Der Übergang von der euphorischen Aufbauphase zur Routine des Praxisalltags kann ein emotionales Vakuum hinterlassen, das sich als innere Leere und Apathie äußert. Es handelt sich hierbei nicht um eine einfache Erschöpfung, die durch Schlaf behoben wird, sondern um einen anhaltenden Zustand der emotionalen und motivationalen Erschöpfung. Die ständigen Zweifel an der eigenen Kompetenz sind ein klassisches Begleitsymptom.
Um aus dieser Starre herauszufinden, ist ein behutsamer, mehrdimensionaler Ansatz sinnvoll, der Druck vermeidet. Ein erster Schritt kann sein, die Erwartungen an sich selbst vorübergehend zu reduzieren und die Praxisarbeit bewusst zu strukturieren. Setzen Sie kleine, realistische Tagesziele und erlauben Sie sich, auch unvollkommene Ergebnisse zu akzeptieren. Versuchen Sie, administrative Aufgaben in sehr kurzen, festen Zeitblöcken zu erledigen, um der Prokrastination entgegenzuwirken. Wichtig ist auch, eine klare Trennung zwischen Arbeits- und Privatzeit einzuführen, selbst wenn die Praxis zu Hause ist.
Da Sie selbst im psychologischen Bereich tätig sind, kennen Sie den Wert externer Unterstützung. Der Besuch bei einer Kollegin oder einem Kollegen zur eigenen Supervision oder Beratung kann eine neutrale Perspektive und Entlastung bieten. Dies ist keine Schwäche, sondern eine professionelle Maßnahme zur Selbstfürsorge. Parallel dazu kann es hilfreich sein, Aktivitäten außerhalb der Praxis zu pflegen, die nichts mit Leistung zu tun haben, etwa Spaziergänge in der Natur oder kreative Hobbys. Diese können helfen, das Gefühl der Lebendigkeit langsam wiederzuentdecken.
Bezüglich der Frage nach einer Depression ist eine differentialdiagnostische Abklärung durch einen Arzt oder eine Ärztin entscheidend. Als Psychologin kann ich keine Diagnose stellen, aber ich rate dringend dazu, diese Möglichkeit ärztlich abklären zu lassen. Eine frühzeitige professionelle Einschätzung kann klären, ob unterstützende Therapieangebote sinnvoll sind. Der Weg zurück zur Motivation verläuft oft in kleinen Schritten und erfordert Geduld mit sich selbst. Konzentrieren Sie sich zunächst auf das Wiedererlangen eines grundlegenden psychischen Gleichgewichts, bevor Sie die berufliche Motivation wieder in den Fokus nehmen. Die Tatsache, dass Sie diese Frage stellen, zeigt bereits Ihren unbewussten Willen zur Veränderung. Gehen Sie bitte einfühlsam mit sich um.