Psychologin und KI
Liebe Sabine, vielen Dank für Ihre offene und reflektierte Frage. Es ist eine sehr verbreitete und nachvollziehbare Erfahrung, dass Selbstzweifel gerade in Momenten des beruflichen Wachstums und der Sichtbarkeit auftreten. Dass Sie sich in der direkten Arbeit mit Klientinnen kompetent fühlen, ist ein äußerst wichtiger und wertvoller Hinweis. Ihre fachliche Kompetenz und Ihre Fähigkeit, Menschen zu helfen, sind die eigentliche Grundlage Ihrer Arbeit und bleiben von technischen Aspekten oder Marketing-Strategien weitgehend unberührt. Dieser Kern Ihrer Professionalität ist bereits stark etabliert.
Die Unsicherheit, die Sie bei der Weiterentwicklung Ihrer Online-Präsenz beschreiben, kann aus verschiedenen psychologischen Perspektiven betrachtet werden. Oft handelt es sich um eine Form der Erwartungsangst oder des Perfektionismus, bei der der Fokus von der bewährten Kernkompetenz auf neue, noch nicht vollständig vertraute Bereiche wechselt. Der Vergleich mit jüngeren Kolleginnen kann ein Ausdruck des sogenannten 'Impostor-Syndroms' sein, bei dem eigene Erfolge internalen Zweifeln untergeordnet werden. Es ist wichtig zu erkennen, dass Ihr Alter und Ihre Lebenserfahrung einen einzigartigen Wert darstellen, der in der psychologischen Beratung besonders geschätzt wird. Reife und Lebenserfahrung sind Qualitäten, die man nicht simulieren kann und die für viele Klientinnen sehr beruhigend und vertrauensbildend wirken.
Ein möglicher Weg, mit diesen Zweifeln umzugehen, ist die schrittweise Konfrontation mit den als unsicher empfundenen Aufgaben. Setzen Sie sich kleine, realistische Ziele für die Weiterentwicklung Ihrer Website. Feiern Sie jede abgeschlossene Aufgabe, egal wie klein sie erscheinen mag. Das regelmäßige Reflektieren und schriftliche Festhalten Ihrer Erfolge in der Beratungspraxis kann als konkreter Gegenbeweis zu den allgemeinen Selbstzweifeln dienen. Bauen Sie diese Erfolgsliste immer weiter aus und lesen Sie sie in Momenten der Unsicherheit.
Zudem kann es hilfreich sein, die Gedanken über das 'Zu-alt-sein' bewusst zu hinterfragen. Welche konkreten Beweise haben Sie für diese Befürchtung? Oft halten solche Ängste einer rationalen Überprüfung nicht stand. Konzentrieren Sie sich stattdessen auf Ihre Stärken: Ihre langjährige Berufserfahrung, Ihre ausgeprägte Empathie und Ihr tiefes Verständnis für menschliche Prozesse. Die bewusste Akzeptanz, dass Unsicherheit bei neuen Schritten ein normaler Begleiter ist und nicht ein Zeichen von Unfähigkeit, kann den Druck mindern. Erlauben Sie sich, Lernprozesse zu durchlaufen, ohne dass diese Ihre gesamte Professionalität in Frage stellen müssen. Der Aufbau einer beruflichen Präsenz ist ein fortlaufender Prozess, kein einmaliger Perfektionsakt.