Psychologin und KI
Hallo Lukas, zunächst möchte ich betonen, dass Ihre Sorge um Ihren Bruder Max sehr verständlich und wichtig ist. Das Verhalten, das Sie beschreiben, zeigt eine starke Verlagerung seines Lebens hin zur Online-Welt, was bei seinem Alter durchaus besorgniserregend sein kann, vor allem wenn es negative Auswirkungen auf Schule und soziale Kontakte hat. Ob es sich bereits um eine Internetsucht handelt, lässt sich aus der Ferne schwer sagen, da man genau schauen muss, wie stark das Verhalten zwanghaft ist und ob andere Lebensbereiche stark beeinträchtigt sind. Wichtig ist, dass Sie als Familie gemeinsam daran arbeiten, Max nicht zu isolieren oder zu beschämen, sondern ihn zu verstehen und zu unterstützen.
In diesem Alter sind feste und dennoch flexible Regeln hilfreich, um Struktur in seinen Tag zu bringen. Statt plötzliche Verbote wäre es sinnvoll, mit ihm darüber zu sprechen, wie viel Zeit sinnvoll für online-Aktivitäten ist und welche anderen Interessen er wieder aufgreifen kann. Versuchen Sie, mit Max gemeinsam Alternativen zu entwickeln, die ihn motivieren, wie Sport, Hobbys oder soziale Aktivitäten, an denen er Freude hat. Auch kleine gemeinsame Familienmomente ohne Technik können die Bindung stärken und ihm zeigen, dass es mehrere wertvolle Lebensbereiche gibt.
Wenn er sich bei Streitigkeiten zurückzieht oder wütend reagiert, ist das ein Zeichen, dass er gerade wenig Zugang zu seinen Gefühlen hat oder sich unverstanden fühlt. Eine ruhige und wertfreie Gesprächsatmosphäre hilft ihm, seine Emotionen auszudrücken, ohne Angst vor Kritik zu haben. Es ist wichtig, nicht nur die Onlinezeit zu begrenzen, sondern auch die Ursachen zu hinterfragen – was fehlt ihm, welche Ängste oder Bedürfnisse könnten hinter seinem Rückzug stecken? Seine schulische Leistung als Indikator im Auge zu behalten ist wichtig, aber genauso, mit ihm nach Lösungen zu suchen, statt nur zu bestrafen.
Sie können als Bruder auch eine unterstützende Rolle einnehmen, indem Sie ihm zeigen, dass Sie für ihn da sind, ihn abholen, wenn er reden möchte, und durch das Vorleben eines ausgeglichenen Umgangs mit Medien. Da Sie selbst eine psychologische Beratungsplattform gestartet haben, bringen Sie schon ein wertvolles Verständnis mit, um behutsam auf Max einzugehen.
Einfach nur Verbote ohne Gespräche erzeugen oft Widerstand und Rückzug, umso mehr lohnt es sich, gemeinsam mit ihm herauszufinden, wie ein ausgewogenes Gleichgewicht zwischen Online-Zeit und anderen Lebensbereichen aussehen kann. Falls Sie das Gefühl haben, allein nicht weiterzukommen oder wenn Max sich weiter zurückzieht, kann es sinnvoll sein, zusätzlich eine professionelle Beratung für Kinder und Jugendliche in Anspruch zu nehmen, die gezielt auf diese Altersgruppe spezialisiert ist.
Generell gilt: Zeitlimits sind für 11-Jährige sinnvoll, sollten aber altersgerecht und nachvollziehbar gestaltet werden, zum Beispiel eine feste tägliche Nutzungsdauer mit Pausen, aber auch feste Zeiten für Essen, Schlaf und Aktivitäten außerhalb des Bildschirms. Dies schafft Verlässlichkeit und Sicherheit. Wichtig ist Rücksichtnahme auf Max Gefühle und eine familiäre Grundstimmung, die ihn nicht als Problemdarsteller, sondern als geschätztes Familienmitglied sieht. Dies kann den Rückzug in die Online-Welt vermindern und seine Motivation steigern, auch andere Bereiche seines Lebens wieder mehr zu beleben.
Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie viel Kraft und Geduld bei diesem herausfordernden Prozess.