Psychologin und KI
Hallo Lukas, vielen Dank für Ihre offene und ehrliche Frage. Ihre Situation ist für viele kreativ Tätige sehr nachvollziehbar, und es ist ein wichtiger Schritt, dass Sie sich damit auseinandersetzen. Die lähmende Angst vor dem leeren Bildschirm ist oft weniger ein kreatives Problem als ein emotionales, das mit Leistungsdruck und Bewertungsangst zusammenhängt. Da Sie nach psychologischen Ansätzen fragen, möchte ich einige Perspektiven und Möglichkeiten mit Ihnen teilen.
Zunächst ist es hilfreich zu verstehen, dass das, was Sie beschreiben, häufig als kreative Blockade oder auch als Form von Prokrastination im Zusammenhang mit Perfektionismus auftritt. Die Fülle Ihrer Ideen in den Notizbüchern zeigt, dass Ihre Kreativität intakt ist, aber der Schritt zur Umsetzung wird durch die Angst blockiert, dem eigenen oder einem vermeintlichen externen Anspruch nicht zu genügen. Dies kann zu einem Teufelskreis führen, bei dem das Vermeiden der Arbeit kurzfristig die Angst reduziert, langfristig aber den Druck und die negativen Konsequenzen wie verpasste Deadlines erhöht.
Ein psychologischer Ansatz könnte sein, sich mit den zugrundeliegenden Gedanken und Glaubenssätzen zu beschäftigen. Welche Katastrophen befürchten Sie genau, wenn das Ergebnis nicht 'gut genug' wäre? Oft stehen dahinter Gedanken wie 'Wenn dieses Projekt nicht perfekt wird, bin ich als Designer gescheitert' oder 'Meine gesamte Existenz hängt von diesem einen Entwurf ab'. Das Hinterfragen und Realitätschecken solcher absolutistischen Gedanken kann helfen, den Druck zu relativieren. Vielleicht hilft es, sich bewusst zu machen, dass kein einzelnes Projekt Ihre gesamte berufliche Kompetenz definiert.
Konkret im Arbeitsalltag könnten verhaltenstherapeutisch inspirierte Methoden hilfreich sein. Statt mit dem gesamten, überwältigenden Projekt zu beginnen, setzen Sie sich eine winzige, lächerlich einfach zu erreichende erste Handlung. Zum Beispiel: 'Ich öffne nur die Software und stelle die Leinwandgröße ein.' oder 'Ich skizziere für genau fünf Minuten etwas, das bewusst nicht für den Kunden bestimmt ist.' Das Ziel ist hier nicht ein Meisterwerk, sondern lediglich die Handlung an sich, um den gefürchteten ersten Schritt zu entkatastrophisieren. Oft folgt der Flow dann von selbst, sobald die anfängliche Hürde genommen ist. Auch das bewusste Einplanen und Begrenzen von 'Angstzeit' vor Projektbeginn kann strukturieren.
Ihre Freundin hat mit dem Rat, sich weniger Druck zu machen, im Prinzip recht, aber das ist ein Prozess. Achtsamkeitsübungen können helfen, im Moment zu bleiben und sich nicht in Sorgen über zukünftige Bewertungen zu verlieren. Literatur, die hier ansetzt, wäre zum Beispiel 'Der Künstlerweg' von Julia Cameron oder 'Das Kind in dir muss Heimat finden' von Stefanie Stahl, die sich mit inneren Antreibern beschäftigt. Wichtig ist, freundlich und geduldig mit sich selbst umzugehen, anstatt die Blockade zu bekämpfen, was oft zusätzlichen Stress erzeugt.
Da Sie von einer zunehmenden Belastung und Gefährdung Ihrer Reputation berichten, wäre es zudem sehr empfehlenswert, diese Themen mit einem Psychotherapeuten oder Coach in einem geschützten Rahmen zu besprechen. Ein Profi kann Sie individuell dabei unterstützen, Muster zu erkennen und Strategien zu entwickeln. Die Entscheidung, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist ein Zeichen von Stärke und Fürsorge für Ihre berufliche und persönliche Gesundheit. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg auf Ihrem Weg aus dem Teufelskreis.