Psychologin Anna Klar

🧠 Mensch + Künstliche Intelligenz = Beste Lösung

Konfliktmanagement als sensible Führungskraft: Wie überlebe ich Team-Streitigkeiten, ohne selbst krank zu werden?

Hallo zusammen, ich bin seit fünf Jahren als Sozialarbeiterin in einer Jugendhilfe-Einrichtung tätig. Vor einem Jahr wurde ich zur stellvertretenden Abteilungsleitung befördert – eine Rolle, die ich mir eigentlich immer gewünscht habe. Doch seit einigen Monaten fühle ich mich zunehmend überfordert, und zwar nicht wegen der fachlichen Anforderungen, sondern wegen der ständigen Konflikte zwischen Teammitgliedern, die ich jetzt moderieren muss. Es begann mit kleinen Reibereien zwischen zwei Kollegen (nennen wir sie Mark und Tina), die sich über Arbeitsstile und Prioritäten stritten. Ich versuchte, das im Teamgespräch zu klären, doch seitdem eskaliert es: Mark wirft Tina vor, sie würde sich in seine Fälle einmischen, Tina fühlt sich von ihm ignoriert. Beide kommen jetzt fast täglich zu mir, um sich zu beschweren – mal offen aggressiv, mal in Tränen. Gestern hat Mark sogar angedeutet, er würde sich ‚anderswo umsehen‘, wenn sich nichts ändert. Das Problem: Ich hasse Konflikte. Schon als Kind bin ich in Streitgespräche meiner Eltern panisch geworden, und heute spüre ich, wie mein Körper reagiert: mein Magen verkrampft sich, ich bekomme Herzrasen, und nach solchen Gesprächen liege ich stundenlang wach. Ich habe das Gefühl, entweder die Professionalität zu verlieren (weil ich innerlich so aufgewühlt bin) oder eine der Parteien zu verraten, wenn ich mich zu deutlich positioniere. Mein Chef sagt nur: ‚Das gehört dazu, Lena – du musst lernen, härter zu werden.‘ Aber ich will nicht härter werden! Ich will einfach, dass das Team wieder funktioniert, ohne dass ich mich wie ein zitterndes Nervenbündel fühle. Hinzu kommt, dass ich seit Wochen unter starken Magen-Darm-Beschwerden leide (mein Arzt spricht von ‚stressbedingtem Reizdarm‘). Ich habe schon überlegt, die Stelle wieder aufzugeben – aber das fühlt sich wie ein Versagen an. Gleichzeitig fürchte ich, dass ich wirklich krank werde, wenn das so weitergeht. Wie kann ich lernen, Konflikte im Team zu managen, ohne mich selbst dabei zu zerstören? Gibt es Strategien, um sachlich zu bleiben, auch wenn ich innerlich total überfordert bin? Und wie gehe ich mit dieser körperlichen Reaktion um – wird das irgendwann besser, wenn ich ‚mich dran gewöhne‘? Vielen Dank für eure Perspektiven. Lena

Anna Klar

Psychologin und KI

Eine einfühlsame Psychologin balanciert Herz und Struktur, während sie Konflikte im Team innerhalb eines klaren Rahmens hält.

Liebe Lena, Ihre Frage berührt ein zentrales Thema für sensible Führungskräfte. Es ist völlig verständlich, dass Sie sich in dieser Konfliktsituation überfordert fühlen, zumal Ihre persönliche Geschichte und Ihre körperlichen Reaktionen die Herausforderung verstärken. Ihre körperlichen Symptome wie Herzrasen und Magen-Darm-Beschwerden sind ernstzunehmende Warnsignale Ihres Körpers und zeigen, dass der Stress bereits ein gesundheitskritisches Niveau erreicht hat. Es ist wichtig, diese Signale nicht zu ignorieren oder sich einfach daran zu gewöhnen, denn chronischer Stress kann zu dauerhaften gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen.

Zunächst zur Frage, wie Sie sachlich bleiben können, auch wenn Sie innerlich aufgewühlt sind. Eine wirksame Strategie ist die bewusste Selbstregulation. Das bedeutet, in dem Moment, in dem der Konflikt auf Sie zukommt, eine kurze innere Pause einzulegen. Atmen Sie tief durch, bevor Sie reagieren. Sie können auch eine neutrale, strukturierende Rolle einnehmen, indem Sie das Gespräch auf eine sachliche Ebene lenken. Sagen Sie zum Beispiel: Ich höre, dass dies für Sie beide sehr belastend ist. Lassen Sie uns Schritt für Schritt die konkreten Situationen betrachten. Durch das Fokussieren auf Fakten und Prozesse schaffen Sie eine gewisse emotionale Distanz, die Ihnen hilft, Ihre eigene Betroffenheit zu regulieren. Es kann auch hilfreich sein, Gespräche nicht spontan, sondern terminiert in einem neutralen Raum zu führen, um für sich selbst einen geschützteren Rahmen zu schaffen.

Für das Konfliktmanagement selbst ist es entscheidend, nicht in die Rolle des Schiedsrichters zu fallen, der eine Lösung vorgibt, sondern die Verantwortung für die Lösung an die Konfliktparteien zurückzugeben. Sie können als Moderatorin fungieren. Ein Ansatz wäre, mit Mark und Tina ein gemeinsames Gespräch zu vereinbaren, in dem Sie klare Regeln festlegen, zum Beispiel, dass jeder aussprechen darf, ohne unterbrochen zu werden, und dass es um Verhalten in konkreten Situationen geht, nicht um allgemeine Charakterurteile. Ihre Aufgabe ist es, den Rahmen zu halten und den Prozess zu steuern, nicht, den Inhalt des Konflikts für die Beteiligten zu lösen. Dies entlastet Sie von dem Gefühl, sich positionieren oder jemanden verraten zu müssen.

Gleichzeitig müssen Sie Ihre eigenen Grenzen schützen. Die täglichen Beschwerdegespräche sind nicht nachhaltig. Sie könnten eine Regel einführen, dass Anliegen zunächst schriftlich zusammengefasst werden, bevor ein Gespräch vereinbart wird. Dies bremst die emotionale Dynamik und gibt Ihnen Zeit zur Vorbereitung. Der Rat Ihres Chefs, härter zu werden, verkennt, dass effektive Führung nicht mit Härte gleichzusetzen ist, sondern mit Klarheit, Struktur und Empathie. Sie müssen nicht Ihre Sensibilität ablegen, sondern lernen, sie mit professionellen Grenzen zu kombinieren.

Zur Bewältigung der körperlichen Reaktionen ist es unerlässlich, regelmäßige Ausgleichs- und Erholungsphasen bewusst in Ihren Alltag zu integrieren. Techniken wie progressive Muskelentspannung, Achtsamkeitsübungen oder moderater Sport können helfen, die körperliche Anspannung langfristig zu reduzieren. Die körperlichen Symptome werden nicht einfach durch Gewöhnung besser, sondern nur durch aktive Stressbewältigung und den Aufbau von Resilienz. Ziehen Sie in Erwägung, sich selbst psychologische Beratung oder Coaching zu gönnen, um Ihre persönlichen Konfliktmuster und Stressreaktionen in einem geschützten Rahmen zu bearbeiten. Das ist keine Schwäche, sondern eine professionelle Investition in Ihre Gesundheit und Führungskompetenz.

Die Überlegung, die Stelle aufzugeben, ist unter diesen Umständen nachvollziehbar. Bevor Sie diesen Schritt als Versagen betrachten, sehen Sie ihn als letzte Option, nachdem Sie die genannten Strategien ausprobiert und auch das Gespräch mit Ihrer Vorgesetzten über die Notwendigkeit von Unterstützung, etwa durch Supervision oder Teamentwicklung, gesucht haben. Ihre Gesundheit und Ihr Wohlbefinden sind die Grundlage für jede wirksame Führungsarbeit. Es geht nicht darum, Konflikte zu vermeiden, sondern darum, einen Umgang mit ihnen zu finden, der Sie nicht zerstört. Mit Zeit, gezielten Techniken und möglicherweise externer Unterstützung können Sie lernen, diese Rolle mit mehr Gelassenheit auszufüllen.

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