Psychologin Anna Klar

🧠 Mensch + Künstliche Intelligenz = Beste Lösung

Körpersignale ohne Worte: Wie ich lerne, die stumme Sprache meiner psychosomatischen Symptome nach dem Ruhestand zu deuten

Hallo zusammen, ich bin 53, seit drei Jahren im Ruhestand und habe seit etwa einem Jahr das Gefühl, dass mein Körper mir Signale sendet, die ich nicht deuten kann. Es begann mit wiederkehrenden Spannungskopfschmerzen, die ich zunächst auf zu viel Bildschirmzeit schob. Dann kamen Magenkrämpfe hinzu – nicht nach dem Essen, sondern in Momenten, in denen ich eigentlich entspannen sollte: beim Lesen, Spaziergänge im Park, sogar beim Einschlafen. Mein Hausarzt fand nichts Organisches, riet zu ‚mehr Bewegung‘ und ‚Stressabbau‘. Aber ich bin doch nicht gestresst! Oder doch? Die Sache ist: Ich war immer derjenige, der für andere da war – 30 Jahre im sozialen Bereich, dann die Pflege meiner Mutter bis zu ihrem Tod vor zwei Jahren. Jetzt, wo ich ‚Zeit für mich‘ habe, fühle ich mich… leer. Nicht traurig, nicht wütend, einfach wie ein Radio, das nur Rauschen empfängt. Meine Frau sagt, ich wirke ‚abwesend‘, obwohl ich physisch präsent bin. Vor drei Wochen hatte ich sogar einen Aussetzer: Ich stand im Supermarkt und wusste plötzlich nicht mehr, warum ich dort war. Nicht im Sinne von Vergesslichkeit – sondern als ob die Verbindung zwischen meinem Handeln und meinem Selbst unterbrochen war. Jetzt zu meiner Frage: Könnte das psychosomatisch sein? Nicht im Sinne von ‚eingebildet‘, sondern als eine Art körpereigener Weckruf? Ich habe gelesen, dass unverarbeitete Emotionen (vielleicht sogar Trauer oder unterdrückte Wut über die jahrelange Verantwortung?) sich so äußern können. Aber wie finde ich heraus, was mein Körper mir sagen will – und wie kann ich lernen, wieder ‚ganz‘ zu sein? Ich möchte nicht in eine Therapie, nur um über meine Kindheit zu reden. Ich suche praktische Wege, um diese körperlichen Symptome als Sprache zu verstehen und zu beantworten. Hat jemand ähnliche Erfahrungen gemacht oder konkrete Übungen/Ansätze, die über ‚Atemtechniken‘ oder ‚Achtsamkeit‘ (die ich schon probiert habe, ohne Erfolg) hinausgehen? Vielen Dank für eure Perspektiven. Klaus

Anna Klar

Psychologin und KI

Ein Mann mittleren Alters erlebt innere Leere und körperliche Symptome im Ruhestand, umgeben von den Geistern seiner vergangenen Verantwortlichkeiten.

Lieber Klaus, viele Erfahrungen im Ruhestand, verbunden mit dem Abschied von einer langjährigen Rolle, werfen tiefe Fragen auf und können sich auf subtile Weise im Körper ausdrücken. Ihre Beobachtung, dass körperliche Symptome wie Spannungskopfschmerzen oder Magenkrämpfe entstehen, obwohl keine körperliche Ursache gefunden wurde, spricht tatsächlich für eine psychosomatische Komponente. Diese Symptome sind kein Zeichen von Einbildung, sondern oft Ausdruck dessen, was innerlich nicht vollständig verarbeitet oder ausgesprochen wurde.

Der Übergang vom langen Engagement für andere hin zu einem Leben mit mehr freier Zeit verändert die innere Identität und das innere Gleichgewicht sehr stark. Das Gefühl der Leere oder als würden Sie nur noch Rauschen empfangen, kann eine Art innere Leerstelle widerspiegeln, die oft sehr unangenehm ist. Es ist kein Hinweis darauf, dass Sie 'nichts fühlen', sondern eher, dass eine neue innere Ordnung noch gefunden werden muss. Das Gefühl, „abwesend zu sein“ und der Moment im Supermarkt zeigen, wie stark Geist und Körper zusammenhängen und dass eine innere Distanzierung vorliegt.

Auch wenn Achtsamkeit oder Atemübungen für Sie bisher nicht zum Erfolg geführt haben, gibt es andere, körperorientierte Wege, die Körpersignale besser zu verstehen. Darunter fallen Techniken wie die körperorientierte Psychotherapie (auch in Eigenarbeit möglich durch gezielte Selbstbeobachtung), Meditation mit Fokus auf innere Empfindungen, oder auch kreative Ausdrucksformen wie Malen, Schreiben oder Tanz, die das Unbewusste an die Oberfläche bringen können. Wichtig ist, sich Zeit zu nehmen für das, was im Moment körperlich empfunden wird, ohne zu bewerten oder zu drängen. Fragen Sie sich: Was signalisiert mir mein Körper genau in diesem Moment? Wo spüre ich Spannungen, Wärme oder Kälte? Wie verändern sich diese Empfindungen, wenn ich sie bewusst wahrnehme?

Es kann auch hilfreich sein, sanfte Bewegung zu suchen, die nicht nur „mehr Bewegung“ bedeutet, sondern gezielt achtsame Körperwahrnehmung fördert. Zum Beispiel Qi Gong, Tai Chi oder langsame, bewusste Körperübungen, die Gefühle im Körper zugänglicher machen.

Ein weiterer Weg, Ihren Körper zu verstehen, ist das Führen eines Körpersymptom-Tagebuchs. Schreiben Sie auf, wann welche Beschwerden auftreten, was Sie gerade erlebt haben oder gedacht haben und welche Gefühle damit verbunden sein könnten. Manchmal erschließt sich so langsam ein Muster oder ein innerer Zusammenhang lässt sich erkennen.

Auch wenn Sie keine klassische Therapie möchten, könnte die Kontaktaufnahme zu einem erfahrenen Coach oder einer beratenden Fachkraft für psychosomatische Selbstwahrnehmung sinnvoll sein. Diese Unterstützung kann Ihnen Werkzeuge vermitteln, um die „stumme Sprache“ Ihres Körpers mit praktischen Methoden zu entschlüsseln und die Verbindung zu Ihrem Inneren Stück für Stück wieder aufzubauen. Selbstverständlich ist der Prozess individuell und braucht Zeit, aber mit Geduld und Offenheit können Sie lernen, wieder ganz bei sich anzukommen.

Ich wünsche Ihnen auf Ihrem Weg viel Stärke und Vertrauen in die Weisheit Ihres Körpers und Ihre innere Fähigkeit zu verstehen und zu heilen.

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