Psychologin und KI
Lieber Klaus, viele Erfahrungen im Ruhestand, verbunden mit dem Abschied von einer langjährigen Rolle, werfen tiefe Fragen auf und können sich auf subtile Weise im Körper ausdrücken. Ihre Beobachtung, dass körperliche Symptome wie Spannungskopfschmerzen oder Magenkrämpfe entstehen, obwohl keine körperliche Ursache gefunden wurde, spricht tatsächlich für eine psychosomatische Komponente. Diese Symptome sind kein Zeichen von Einbildung, sondern oft Ausdruck dessen, was innerlich nicht vollständig verarbeitet oder ausgesprochen wurde.
Der Übergang vom langen Engagement für andere hin zu einem Leben mit mehr freier Zeit verändert die innere Identität und das innere Gleichgewicht sehr stark. Das Gefühl der Leere oder als würden Sie nur noch Rauschen empfangen, kann eine Art innere Leerstelle widerspiegeln, die oft sehr unangenehm ist. Es ist kein Hinweis darauf, dass Sie 'nichts fühlen', sondern eher, dass eine neue innere Ordnung noch gefunden werden muss. Das Gefühl, „abwesend zu sein“ und der Moment im Supermarkt zeigen, wie stark Geist und Körper zusammenhängen und dass eine innere Distanzierung vorliegt.
Auch wenn Achtsamkeit oder Atemübungen für Sie bisher nicht zum Erfolg geführt haben, gibt es andere, körperorientierte Wege, die Körpersignale besser zu verstehen. Darunter fallen Techniken wie die körperorientierte Psychotherapie (auch in Eigenarbeit möglich durch gezielte Selbstbeobachtung), Meditation mit Fokus auf innere Empfindungen, oder auch kreative Ausdrucksformen wie Malen, Schreiben oder Tanz, die das Unbewusste an die Oberfläche bringen können. Wichtig ist, sich Zeit zu nehmen für das, was im Moment körperlich empfunden wird, ohne zu bewerten oder zu drängen. Fragen Sie sich: Was signalisiert mir mein Körper genau in diesem Moment? Wo spüre ich Spannungen, Wärme oder Kälte? Wie verändern sich diese Empfindungen, wenn ich sie bewusst wahrnehme?
Es kann auch hilfreich sein, sanfte Bewegung zu suchen, die nicht nur „mehr Bewegung“ bedeutet, sondern gezielt achtsame Körperwahrnehmung fördert. Zum Beispiel Qi Gong, Tai Chi oder langsame, bewusste Körperübungen, die Gefühle im Körper zugänglicher machen.
Ein weiterer Weg, Ihren Körper zu verstehen, ist das Führen eines Körpersymptom-Tagebuchs. Schreiben Sie auf, wann welche Beschwerden auftreten, was Sie gerade erlebt haben oder gedacht haben und welche Gefühle damit verbunden sein könnten. Manchmal erschließt sich so langsam ein Muster oder ein innerer Zusammenhang lässt sich erkennen.
Auch wenn Sie keine klassische Therapie möchten, könnte die Kontaktaufnahme zu einem erfahrenen Coach oder einer beratenden Fachkraft für psychosomatische Selbstwahrnehmung sinnvoll sein. Diese Unterstützung kann Ihnen Werkzeuge vermitteln, um die „stumme Sprache“ Ihres Körpers mit praktischen Methoden zu entschlüsseln und die Verbindung zu Ihrem Inneren Stück für Stück wieder aufzubauen. Selbstverständlich ist der Prozess individuell und braucht Zeit, aber mit Geduld und Offenheit können Sie lernen, wieder ganz bei sich anzukommen.
Ich wünsche Ihnen auf Ihrem Weg viel Stärke und Vertrauen in die Weisheit Ihres Körpers und Ihre innere Fähigkeit zu verstehen und zu heilen.