Psychologin Anna Klar

🧠 Mensch + Künstliche Intelligenz = Beste Lösung

Trotz langjähriger Berufserfahrung ständige Selbstzweifel und Angst vor Enttarnung

Hallo, ich bin Lukas, 34 Jahre alt und betreibe eine Online-Plattform für psychologische Beratung. Ich selbst habe einen eher analytischen und ruhigen Charakter, der versucht, Probleme strukturiert anzugehen. Meine Frage betrifft einen Bereich, der mir persönlich sehr nahegeht, da ich viele Klienten in ähnlichen Situationen sehe: Ich habe seit meinem Studium in verschiedenen Unternehmen gearbeitet, insgesamt über 12 Jahre Berufserfahrung in meinem Fachgebiet. Trotzdem plagt mich fast täglich das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Bei jedem neuen Projekt, bei jeder Besprechung habe ich panische Angst, dass jemand merken könnte, dass ich eigentlich nichts kann, dass mein Wissen nicht ausreicht. Dieses Gefühl der 'Enttarnung' ist so stark, dass ich manchmal nachts wach liege und Szenarien durchspiele, wie ich auffliegen könnte. Es beeinträchtigt meine Entscheidungsfähigkeit im Job, ich zögere oft und traue meinem Urteil nicht. Gleichzeitig stehe ich unter großem finanziellen Druck, da ich einen Kredit für meine Wohnung abbezahle und die monatlichen Raten fest einkalkuliert sind. Der Gedanke, den Job zu verlieren, ist deshalb besonders beängstigend. Wie kann ich diese ständigen Selbstzweifel und die lähmende Angst, als Betrüger entlarvt zu werden, überwinden, besonders unter dem zusätzlichen Druck finanzieller Verpflichtungen?

Anna Klar

Psychologin und KI

Ein Mann kämpft mit Selbstzweifeln am Arbeitsplatz, während äußerer Druck und das Gefühl, ein Hochstapler zu sein, ihn umgeben, doch Beweise seiner Kompetenz sind sichtbar.

Hallo Lukas, vielen Dank für Ihre offene und ehrliche Frage. Es ist bemerkenswert, dass Sie trotz Ihrer eigenen Belastung einen Raum für andere schaffen, die ähnliche Kämpfe durchmachen. Das von Ihnen beschriebene Phänomen ist in der Psychologie gut bekannt und wird oft als Hochstapler-Syndrom oder Impostor-Phänomen bezeichnet. Es tritt besonders häufig bei kompetenten und reflektierten Menschen auf, die hohe Ansprüche an sich selbst stellen. Ihre langjährige Berufserfahrung und Ihr analytischer Charakter stehen in einem starken Kontrast zu den empfundenen Selbstzweifeln, was ein klassisches Merkmal dieses Musters ist.

Zunächst ist es wichtig zu verstehen, dass Ihre Gefühle der Angst und des Betrugs nicht die objektive Realität Ihrer Fähigkeiten widerspiegeln. Die Angst vor der Enttarnung entsteht oft aus einer verzerrten Selbstwahrnehmung, bei der Erfolge externalisiert (als Glück oder Zufall gesehen) und Misserfolge internalisiert (als Beweis der eigenen Unzulänglichkeit) werden. Die Kombination aus diesem inneren Muster und dem äußeren finanziellen Druck kann einen lähmenden Teufelskreis aus Angst und Vermeidung schaffen. Der finanzielle Druck, den Sie durch den Kredit beschreiben, verstärkt die Angst vor Versagen natürlich erheblich, da er die vermeintlichen Konsequenzen eines Jobverlustes konkret und bedrohlich macht.

Ein erster Schritt zur Überwindung könnte sein, diese Gedankenmuster bewusst zu beobachten und zu hinterfragen. Wenn der Gedanke auftaucht, Sie könnten enttarnt werden, fragen Sie sich konkret: Welche Beweise sprechen eigentlich für meine Kompetenz? Ihre 12-jährige Erfahrung und die Tatsache, dass Sie eine eigene Plattform führen, sind handfeste Indizien. Versuchen Sie, eine Art Erfolgstagebuch zu führen, in dem Sie konkrete positive Rückmeldungen und gelöste Aufgaben dokumentieren. Das schriftliche Festhalten von Erfolgserlebnissen kann der verzerrten Erinnerung entgegenwirken und ein realistischeres Selbstbild fördern.

Gleichzeitig ist es wichtig, mit dem Perfektionismus zu brechen, der oft hinter solchen Ängsten steckt. In Ihrem analytischen und strukturierten Ansatz liegt eine große Stärke, sie kann aber auch in einen Zwang umschlagen, alles fehlerfrei machen zu müssen. Erlauben Sie sich bewusst, dass Unsicherheit und Lernprozesse zum Berufsalltag gehören – auch nach vielen Jahren Erfahrung. Die Akzeptanz, dass man nicht alles wissen kann und Fehler zum Lernprozess gehören, kann die Angst vor der Blamage reduzieren. In Bezug auf den finanziellen Druck kann es entlastend sein, diesen nicht mit der eigenen beruflichen Wertigkeit zu verknüpfen. Vielleicht ist es möglich, einen finanziellen Puffer zu schaffen oder die Rückzahlungsmodalitäten zu prüfen, um den Druck etwas zu mindern. Auch das bewusste Planen von Auszeiten und Entspannung ist unter diesem Druck essenziell, um nicht in einen Zustand der Daueranspannung zu geraten.

Da Sie selbst im psychologischen Bereich tätig sind, wissen Sie um den Wert einer externen Perspektive. Ich möchte Sie ermutigen, diese Themen in einer eigenen psychologischen Beratung oder Therapie zu vertiefen. Dort können Sie in einem geschützten Raum die zugrundeliegenden Glaubenssätze (zum Beispiel Ich muss immer der Beste sein) erforschen und Strategien für einen mitfühlenderen Umgang mit sich selbst entwickeln. Die Investition in Ihre eigene psychische Gesundheit ist keine Schwäche, sondern eine professionelle und persönliche Stärke, die letztlich auch Ihren Klienten zugutekommt. Sie haben den ersten und mutigen Schritt bereits getan, indem Sie das Problem benannt haben.

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