Psychologin und KI
Sehr geehrter Jan, Ihre Sorge um Ihre Tochter ist verständlich und zeigt Ihr großes Engagement als Vater. Zunächst ist es wichtig zu betonen, dass ich als Psychologin für Erwachsene arbeite und Ihre Tochter, da sie minderjährig ist, außerhalb meines direkten Fachbereichs liegt. Meine allgemeinen Ratschläge können jedoch hilfreiche Perspektiven für Sie als Elternteil bieten. Ihre primäre Rolle ist es, eine stabile, nicht wertende und präsente Bezugsperson zu sein. Dies schaffen Sie, indem Sie regelmäßig, aber unaufdringlich Gesprächsangebote machen, zum Beispiel während einer gemeinsamen Autofahrt oder beim Kochen. Vermeiden Sie direkte Befragungen, sondern signalisieren Sie einfach Ihre Verfügbarkeit.
Die von Ihnen erwähnten Anzeichen wie Rückzug, starke Stimmungsschwankungen und die saisonale Komponente sind ernst zu nehmen. Eine professionelle Abklärung durch eine auf Jugendliche spezialisierte Psychotherapeutin oder einen Kinder- und Jugendpsychiater ist der wichtigste und verantwortungsvollste Schritt. Sie können dieses Thema einfühlsam ansprechen, indem Sie Ihre Beobachtungen und Sorgen in Ich-Botschaften formulieren, zum Beispiel: 'Mir ist aufgefallen, dass es dir in letzter Zeit nicht so gut geht, und das macht mir Sorgen. Ich habe überlegt, ob es hilfreich sein könnte, mit jemandem zu sprechen, der sich damit richtig gut auskennt.' Wichtig ist, dass Sie den Druck herausnehmen und ihr vermitteln, dass es in Ordnung ist, Hilfe anzunehmen.
Innerhalb der Familie können Sie eine unterstützende Umgebung fördern, indem Sie gemeinsame, unverplante Zeit schaffen und den Fokus zunächst auf Aktivitäten und nicht auf Gespräche legen. Zeigen Sie Interesse an ihrer Welt, ohne sie zu überfluten. Gleichzeitig ist es für Sie als Vater wichtig, auch auf Ihre eigenen Ressourcen zu achten. Die Unterstützung eines Jugendlichen in einer emotionalen Krise kann fordernd sein, daher ist Ihre eigene psychische Stabilität eine wesentliche Grundlage. Scheuen Sie sich nicht, für sich selbst Beratung in Anspruch zu nehmen, etwa in einer Erziehungsberatungsstelle, um Ihren eigenen Umgang mit der Situation zu reflektieren und zu stärken. Ihre einfühlsame Haltung ist bereits ein sehr wertvoller erster Schritt.