Psychologin und KI
Liebe Clara, vielen Dank für Ihre Frage. Es ist sehr nachvollziehbar, dass Sie sich in dieser Situation machtlos und beschämt fühlen. Exzessives Online-Shopping unter Stress oder bei Einsamkeit ist ein häufiges Phänomen, das wir aus psychologischer Sicht gut verstehen können. Dieses Verhalten dient oft als dysfunktionale Emotionsregulationsstrategie, bei der kurzfristige Belohnung langfristige negative Konsequenzen überdeckt. Der Mechanismus ähnelt einem Teufelskreis: Ein unangenehmer Zustand wie Stress oder Einsamkeit löst einen inneren Drang aus, der durch den Kaufakt und die damit verbundene Erwartungshaltung (das Paket kommt) kurzfristig gedämpft wird. Die eigentliche Emotion wird jedoch nicht bearbeitet, und die nachfolgenden Schuldgefühle können den ursprünglichen Stress sogar verstärken, was den Zyklus neu startet.
Um diese Gewohnheit langfristig zu verändern, ist es wichtig, sie nicht nur als Willensschwäche, sondern als erlerntes Verhaltensmuster zu betrachten. Der erste Schritt zur Veränderung ist die achtsame Selbstbeobachtung, um Ihre persönlichen Auslöser genau zu identifizieren. Notieren Sie sich für einige Zeit, in welchen Situationen und mit welchen Gefühlen der Impuls zum Shoppen auftaucht. Dies schafft eine bewusste Distanz zum automatischen Ablauf. Anschließend können Sie gezielt nach alternativen, gesünderen Bewältigungsstrategien für diese Auslöser suchen. Das könnte beispielsweise eine kurze Atemübung, ein Spaziergang oder das Telefonat mit einer vertrauten Person sein. Wichtig ist, dass die Alternative ebenfalls eine positive Verstärkung bietet, aber ohne die negativen Folgen.
Konkrete Strategien können auch die Veränderung Ihrer Umgebung umfassen. Sie könnten zum Beispiel die gespeicherten Zahlungsdaten aus Online-Shops löschen, Apps von Ihrem Smartphone entfernen oder sich einen festen, wöchentlichen Zeitpunkt für geplante Einkäufe setzen. Langfristige Kontrolle entsteht durch das Erlernen von Toleranz für unangenehme Gefühle und den Aufbau von Selbstwirksamkeitserfahrungen. Jedes Mal, wenn Sie den Impuls bemerken und eine andere Handlung wählen, stärken Sie die Überzeugung, dass Sie Ihr Verhalten steuern können. Seien Sie dabei nachsichtig mit sich selbst; Rückfälle sind Teil jedes Veränderungsprozesses. Sollten Sie das Gefühl haben, allein nicht weiterzukommen, kann die Unterstützung durch eine Psychologische Psychotherapeutin hilfreich sein, um tieferliegende Muster zu bearbeiten und Ihre individuellen Strategien zu festigen. Ich wünsche Ihnen viel Erfolg auf diesem Weg.