Erste Führungsrolle mit 24: Wie gehe ich mit der ständigen Angst um, den Erwartungen nicht zu entsprechen?

Ich bin 24, weiblich, und habe vor Kurzem meinen ersten Vollzeitjob als Junior-Projektmanagerin in einem schnell wachsenden Start-up begonnen. Ich habe das Gefühl, dass ich ständig unter Strom stehe, weil ich nie weiß, was als Nächstes kommt, und meine Vorgesetzte erwartet, dass ich eigenständig Entscheidungen treffe, für die ich mich noch nicht bereit fühle. Gestern habe ich einen wichtigen Fehler gemacht, weil ich eine E-Mail falsch interpretiert habe, und jetzt habe ich Angst, dass alle merken, dass ich eigentlich keine Ahnung habe. Ich kann nachts nicht schlafen, weil ich jede Interaktion mit Kollegen und Vorgesetzten im Kopf durchgehe. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass ich nicht Nein sagen kann, wenn mir neue Aufgaben zugewiesen werden, weil ich niemanden enttäuschen will. Meine Familie und Freunde sagen, ich soll einfach durchhalten, aber ich frage mich, ob ich vielleicht nicht für diese Art von Arbeit gemacht bin. Wie kann ich mit dieser ständigen Unsicherheit und dem Druck umgehen, ohne mich selbst zu verlieren?

Anna Klar

Psychologin und KI

Eine junge Frau sitzt nachts wach zwischen Arbeitsunterlagen und Gedanken, während ein sanftes Licht Hoffnung und Selbstmitgefühl andeutet.

Lena, der Einstieg in eine erste Vollzeitstelle und zugleich in eine verantwortungsvolle Rolle kann sich sehr verunsichernd anfühlen. In einem schnell wachsenden Start-up ändern sich Abläufe oft, während Erwartungen nicht immer klar ausgesprochen werden. Dass du dich angespannt fühlst, nach einem Fehler an dir zweifelst und viel über Gespräche nachdenkst, heißt nicht automatisch, dass du für diese Arbeit ungeeignet bist. Es kann auch bedeuten, dass du gerade unter hoher Belastung stehst und noch Orientierung, Erfahrung und verlässliche Unterstützung brauchst.

Ein Fehler ist ein Ereignis, kein Urteil über deine Kompetenz oder deinen Wert. Wenn du eine E-Mail falsch verstanden hast, konzentriere dich zunächst auf die sachliche Reparatur. Kläre, was missverstanden wurde, informiere die zuständigen Personen knapp und offen, und frage, welche Korrektur oder nächsten Schritte nötig sind. Du musst dich nicht endlos rechtfertigen. Danach kannst du prüfen, was dir künftig helfen würde, etwa wichtige Absprachen in eigenen Worten zusammenzufassen oder bei unklaren Anweisungen zeitnah nachzufragen. Gerade am Anfang ist es normal, noch nicht alle unausgesprochenen Regeln und Abläufe zu kennen.

Die Sorge, andere würden entdecken, dass du eigentlich nichts kannst, klingt nach einem häufigen Muster bei neuen Aufgaben: Man deutet Unsicherheit als Beweis für Unfähigkeit und übersieht dabei, dass Lernen Teil der Rolle ist. Versuche, zwischen Fakten und Befürchtungen zu unterscheiden. Was weißt du tatsächlich über die Einschätzung deiner Kolleginnen und deiner Vorgesetzten. Was vermutest du, weil du dich gerade beschämt oder angespannt fühlst. Gibt es konkrete Rückmeldungen, die deine Befürchtung stützen, oder behandelst du einen einzelnen Fehler so, als würde er alles über dich aussagen. Diese Fragen sollen deine Gefühle nicht wegreden, sondern ihnen eine realistischere Einordnung ermöglichen.

Es kann hilfreich sein, mit deiner Vorgesetzten ein ruhiges, konkretes Gespräch zu führen. Du könntest sagen, dass du eigenständig arbeiten möchtest und zugleich in der Einarbeitung Orientierung brauchst. Bitte um Klarheit darüber, welche Entscheidungen du selbst treffen sollst, bei welchen du Rücksprache halten sollst und welche Ergebnisse in den nächsten Wochen Priorität haben. Frage auch, woran sie erkennt, dass deine Arbeit gut läuft, und ob ihr regelmäßig kurze Rückmeldungen vereinbaren könnt. Das ist kein Eingeständnis von Untauglichkeit, sondern eine sinnvolle Abstimmung von Erwartungen. Wenn sie wenig Zeit hat, schlage ein kurzes regelmäßiges Gespräch oder eine schriftliche Prioritätenübersicht vor.

Eigenständigkeit bedeutet nicht, jede Unsicherheit allein auszuhalten. Bei einer Entscheidung kannst du zunächst die verfügbaren Informationen, mögliche Folgen und den Zeitdruck prüfen. Wenn die Folgen groß oder schwer umkehrbar sind, ist Rücksprache besonders vernünftig. Bei kleineren, leicht korrigierbaren Entscheidungen kannst du eher selbst entscheiden und anschließend transparent mitteilen, wie du vorgegangen bist. Mit der Zeit wirst du besser erkennen, welche Entscheidungen tatsächlich bei dir liegen. Du darfst dabei Fragen stellen, bevor etwas schiefgeht, statt erst dann, wenn du dich schon überfordert fühlst.

Auch beim Annehmen neuer Aufgaben darfst du Grenzen setzen, ohne unkooperativ zu sein. Ein Nein muss nicht hart oder endgültig klingen. Du kannst erklären, was bereits auf deiner Liste steht, und fragen, welche Aufgabe Vorrang hat. Zum Beispiel, ich kann das übernehmen, dann wird die andere Aufgabe später fertig. Was soll ich zuerst bearbeiten. So liegt die Priorisierung nicht allein bei dir. Wenn du eine Aufgabe noch nicht einschätzen kannst, frage nach Umfang, Frist und gewünschtem Ergebnis, bevor du verbindlich zusagst. Hilfsbereitschaft ist wertvoll, aber sie sollte nicht bedeuten, dass du dauerhaft mehr versprichst, als in deiner Arbeitszeit realistisch möglich ist.

Für das Grübeln am Abend kann eine klare Übergangsgewohnheit helfen. Schreibe vor dem Feierabend die offenen Punkte auf, notiere den nächsten konkreten Schritt und halte fest, was bis morgen warten kann. Wenn Gedanken später wiederkommen, erinnere dich daran, dass der Punkt bereits einen Platz und einen nächsten Schritt hat. Du könntest außerdem eine kurze Zeit am Tag fürs Nachdenken reservieren, statt jedes Gespräch immer wieder innerlich zu überprüfen. Frage dich dabei, ob eine konkrete Handlung nötig ist. Falls ja, notiere sie. Falls nein, versuche, die Frage für den Moment offen zu lassen und deine Aufmerksamkeit wieder auf etwas Gegenwärtiges zu lenken.

Da dein Schlaf bereits betroffen ist, nimm die Belastung ernst. Ein möglichst regelmäßiger Tagesabschluss, weniger Arbeit und Nachrichten kurz vor dem Schlafen sowie eine ruhige Abendroutine können unterstützend sein. Wenn du lange wach liegst, kann es helfen, kurz aufzustehen und etwas Ruhiges zu tun, bis du wieder schläfrig wirst, statt im Bett weiter an Arbeitssituationen zu grübeln. Das ist keine Garantie für schnellen Schlaf, aber es kann verhindern, dass das Bett zunehmend mit Anspannung verbunden wird.

Die Frage, ob du für diese Art von Arbeit gemacht bist, musst du nicht nach einem schwierigen Start oder einem einzelnen Fehler beantworten. Beobachte über einen überschaubaren Zeitraum, was sich verändert, wenn Erwartungen klarer werden, du Rückmeldung erhältst und deine Arbeitslast besser priorisiert wird. Überlege, welche Teile der Rolle dich interessieren oder stärken und welche dich dauerhaft erschöpfen. Es kann sein, dass du dich mit Einarbeitung und Unterstützung zunehmend sicher fühlst. Es kann auch sein, dass du feststellst, dass die Arbeitsbedingungen, die Führung oder die Aufgaben nicht zu dir passen. Beides sind ernst zu nehmende Erkenntnisse, keine persönlichen Niederlagen. Durchhalten um jeden Preis ist nicht die einzige Möglichkeit, und eine spätere Veränderung wäre kein Beweis, dass du versagt hast.

Sprich nach Möglichkeit mit einer vertrauten Person, die nicht nur zum Durchhalten auffordert, sondern dir zuhört und beim Sortieren hilft. Falls die Schlafprobleme und die starke Anspannung anhalten, zunehmen oder deinen Alltag deutlich beeinträchtigen, wäre ein Gespräch mit einer psychologischen Fachperson eine sinnvolle Unterstützung. Du musst nicht warten, bis es unerträglich wird, um Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Du musst nicht schon alles können, um in dieser Rolle wachsen zu dürfen. Klarere Erwartungen, rechtzeitige Rückfragen und faire Grenzen können dir helfen, Verantwortung zu übernehmen, ohne dich dabei selbst aufzugeben.

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