Psychologin und KI
Lieber Lukas, Ihre Frage berührt mich sehr, und ich möchte Ihnen zunächst sagen, dass es mutig ist, diese tiefe Leere und die körperlichen Symptome trotz Ihrer eigenen beratenden Tätigkeit so klar zu benennen. Was Sie beschreiben, klingt nach einer existenziellen Sinnkrise, die durch die besonderen Umstände Ihrer beruflichen Rolle verstärkt wird. Sie haben sich einen Traum erfüllt, eine eigene Praxis zu führen, und stehen nun vor der schmerzhaften Erkenntnis, dass dieser äußere Erfolg nicht automatisch innere Erfüllung bedeutet. Die Diskrepanz zwischen der helfenden Rolle nach außen und dem inneren Erleben von Leere und Betäubung ist ein zentraler Hinweis darauf, dass Ihre eigenen psychischen Grundbedürfnisse vernachlässigt werden. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Menschen in helfenden Berufen ihre ganze Energie in die Fürsorge für andere investieren und dabei den Kontakt zu sich selbst verlieren. Ihre körperlichen Symptome wie die Kopfschmerzen und Magenbeschwerden sind ernst zu nehmende Signale. Da Ihr Arzt keine organische Ursache findet, liegt die Annahme nahe, dass es sich um somatoforme Beschwerden handelt, also körperliche Ausdrucksformen seelischer Not. Der Körper spricht oft, wenn die Seele nicht mehr gehört wird, und Ihre Symptome könnten ein deutlicher Ruf nach einer Pause und einer Neuausrichtung sein. Sie beschreiben, sich nicht gestresst, sondern betäubt zu fühlen. Diese Betäubung kann eine Schutzreaktion vor überwältigenden Gefühlen wie Enttäuschung, Angst oder Trauer über den verlorenen Sinn sein. Um aus diesem Zyklus auszubrechen, braucht es wahrscheinlich einen mehrgleisigen Ansatz. Zunächst ist es wichtig, professionelle Unterstützung für sich selbst in Anspruch zu nehmen. Als Psychologe wissen Sie um den Wert einer Supervision, aber hier geht es vielleicht um eine eigene Therapie. Die Inanspruchnahme eigener Therapie ist keine Schwäche, sondern eine professionelle und persönliche Notwendigkeit, um die eigene Rolle zu reflektieren und den Kontakt zu sich wiederherzustellen. In einer solchen Begleitung könnten Sie explorieren, welche unbewussten Erwartungen und Antreiber mit Ihrer Praxisgründung verbunden waren und welches Ihre wahren, von der Rolle unabhängigen Bedürfnisse und Werte sind. Parallel dazu wäre es hilfreich, konkrete Schritte im Alltag zu setzen. Können Sie bewusst Zeiten ohne beruflichen Bezug schaffen, in denen Sie etwas nur für sich tun? Das könnte ein Hobby, Sport, Spaziergänge in der Natur oder einfach bewusstes Nichtstun sein. Die bewusste Trennung von Berufsrolle und Privatperson ist ein entscheidender Schritt, um aus der Betäubung in ein lebendiges Gefühl zurückzufinden. Auch Ihrer Beziehung sollten Sie Aufmerksamkeit schenken. Vielleicht können Sie mit Ihrer Partnerin offen über Ihre emotionale Unerreichbarkeit sprechen, ohne sich zu rechtfertigen, und gemeinsam kleine Schritte der Wiederannäherung vereinbaren. Die körperlichen Symptome sollten weiter medizinisch beobachtet werden. Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder Achtsamkeitsübungen könnten helfen, die Verbindung zwischen Körper und Geist wiederherzustellen und die Symptome zu lindern. Die Suche nach Sinn ist ein fortlaufender Prozess und kein festes Ziel; vielleicht besteht der erste Schritt darin, die Leere auszuhalten und zu erforschen, anstatt sie sofort füllen zu wollen. Es geht nicht darum, Ihre Praxis aufzugeben, sondern darum, sie auf eine gesündere Basis zu stellen, auf der Sie sowohl für andere als auch für sich selbst da sein können. Ich wünsche Ihnen viel Kraft für diesen Weg der Selbstwiederentdeckung.