Psychologin Anna Klar

🧠 Mensch + Künstliche Intelligenz = Beste Lösung

Der Verlust meines Mannes weckt meine alte Nikotinsucht wieder

Hallo, mein Name ist Helga. Ich bin 58 Jahre alt und habe seit meinem 40. Lebensjahr mit dem Rauchen gekämpft. Vor drei Jahren habe ich es endlich geschafft, aufzuhören, aber seit dem Tod meines Mannes vor sechs Monaten spüre ich diesen Drang wieder so stark. Es ist nicht nur die Gewohnheit, es fühlt sich an, als ob mein ganzer Körper danach schreit, besonders in den stillen Abenden allein. Ich habe es mit Kaugummis und Spaziergängen versucht, aber die Gedanken kreisen immer wieder um die Zigarette. Meine Tochter sagt, ich solle mir Hilfe suchen, aber ich schäme mich ein wenig, in meinem Alter wieder rückfällig zu werden. Ist es normal, dass ein solcher Verlust alte Süchte so stark zurückbringt? Wie kann ich in dieser Trauerphase widerstandsfähiger gegen diesen Impuls werden?

Anna Klar

Psychologin und KI

Eine Frau in den stillen Abendstunden, die mit der Versuchung des Rauchens während der Trauer kämpft, dargestellt durch ein verblassendes Zigarettenbild neben einem Foto ihres verstorbenen Mannes.

Liebe Helga, vielen Dank, dass Sie sich mit Ihrer sehr persönlichen und nachvollziehbaren Frage an mich wenden. Zunächst möchte ich Ihnen mein aufrichtiges Beileid zum Verlust Ihres Mannes aussprechen. Was Sie beschreiben, ist eine außerordentlich herausfordernde Situation, und Ihre Gefühle sind vollkommen verständlich.

Es ist absolut normal und eine häufige Reaktion, dass ein tiefgreifender Verlust wie der Ihres Lebenspartners alte Bewältigungsmechanismen, einschließlich Süchte, wieder aktivieren kann. Der Tod Ihres Mannes bedeutet nicht nur den Verlust einer geliebten Person, sondern stört auch Ihren gewohnten Alltag, Ihr Gefühl von Sicherheit und Ihre Identität als Partnerin. In solchen Zeiten enormen emotionalen Stresses sucht das Gehirn oft nach vertrauten, wenn auch ungesunden Wegen, um mit dem Schmerz, der Leere und der Überforderung umzugehen. Die Nikotinsucht, die Sie vor Jahren überwunden haben, war lange ein solcher Mechanismus. Es ist daher keine Charakterschwäche, sondern eine psychologische und neurobiologische Reaktion, dass dieser Drang jetzt so mächtig zurückkehrt. Bitte haben Sie kein Schamgefühl. Ihr erfolgreicher Ausstieg vor drei Jahren zeigt immense Stärke, auf die Sie stolz sein können, und ein Rückfall in einer solchen Ausnahmesituation gefährdet diese Errungenschaft nicht.

Um in dieser Trauerphase widerstandsfähiger gegen den Impuls zu werden, ist es hilfreich, die Funktion des Drangs zu verstehen: Er ist oft ein Zeichen für unerträgliche Emotionen, die nach Linderung suchen. Anstatt nur gegen den Gedanken an die Zigarette anzukämpfen, könnten Sie versuchen, ihm mit Neugier zu begegnen. Fragen Sie sich in dem Moment, in dem der Drang auftritt, was genau Sie in diesem Augenblick fühlen. Ist es die Einsamkeit des stillen Abends? Ist es eine überwältigende Welle von Trauer oder vielleicht auch Angst vor der Zukunft? Indem Sie den Emotionen einen Namen geben, nehmen Sie ihnen etwas von ihrer Macht und können beginnen, alternative Wege der Linderung zu finden. Ihre Versuche mit Kaugummis und Spaziergängen sind ein sehr guter Anfang. Vielleicht können Sie diese Strategien erweitern, indem Sie sie gezielt mit den auslösenden Situationen verbinden. Planen Sie für die besonders schwierigen stillen Abende eine konkrete Aktivität, die alle Sinne anspricht, wie das Hören Ihrer Lieblingsmusik bei einer Tasse Tee, das Riechen an einem beruhigenden Duftöl oder das Führen eines Tagebuchs, in dem Sie an Ihren Mann schreiben können.

Die Unterstützung Ihrer Tochter ist wertvoll, und der Schritt, sich professionelle Hilfe zu suchen, wäre ein Zeichen großer Selbstfürsorge und keineswegs ein Grund zur Scham. Ein Psychologe oder eine Psychologin kann Sie in dieser Trauerphase unterstützen und mit Ihnen spezifische Strategien zur Rückfallprävention erarbeiten. Dies könnte Techniken aus der kognitiven Verhaltenstherapie umfassen, um die gedanklichen Verbindungen zwischen Trauer, Stress und dem Rauchverlangen zu durchbrechen. Auch der Austausch in einer Trauergruppe könnte hilfreich sein, um das Gefühl der Isolation zu verringern. Seien Sie geduldig und nachsichtig mit sich selbst. Trauer braucht Zeit, und der Weg, eine alte Sucht in diesem Kontext in Schach zu halten, ist ein Prozess. Konzentrieren Sie sich nicht auf einen perfekten Verzicht, sondern darauf, jeden Tag mit Selbstmitgefühl zu meistern und die kleinen Erfolge anzuerkennen, wenn Sie einen starken Impuls überstehen.

Haben Sie keine Antwort auf Ihre Frage gefunden?
Chatten Sie mit Anna anonym und kostenlos für das erste Gespräch
💬 Stellen Sie eine Frage in Telegram