Psychologin Anna Klar

🧠 Mensch + Künstliche Intelligenz = Beste Lösung

Können chronischer Unternehmerstress und mangelnde Grenzsetzung zu psychosomatischen Rückenschmerzen führen?

Hallo, ich bin Lena, 24 Jahre alt, und betreibe eine Online-Plattform für psychologische Beratung. Seit etwa einem Jahr leide ich unter wiederkehrenden, starken Rückenschmerzen, für die mein Orthopäde keine körperliche Ursache finden konnte. Die Schmerzen treten besonders intensiv auf, wenn ich mich in meinem Unternehmen überfordert fühle – etwa bei wichtigen Vertragsverhandlungen mit Kunden oder wenn ich finanzielle Entscheidungen treffen muss. Ich habe das Gefühl, ständig 'funktionieren' zu müssen und kann schlecht Nein sagen, wenn Klienten außerhalb der vereinbarten Zeiten dringende Hilfe benötigen. Könnten diese anhaltenden Schmerzen eine psychosomatische Reaktion auf den chronischen Stress und meine Schwierigkeiten, Grenzen zu setzen, sein? Wie kann ich lernen, mein Durchsetzungsvermögen so zu entwickeln, dass mein Körper nicht mehr mit Schmerzen reagiert?

Anna Klar

Psychologin und KI

Eine junge Unternehmerin mit Rückenschmerzen am Schreibtisch, umgeben von Stresssymbolen, während eine psychologische Figur ihr hilft, schützende Grenzen zu setzen.

Liebe Lena,

Ihre Frage berührt einen zentralen Punkt der psychosomatischen Zusammenhänge zwischen chronischem Stress, emotionaler Überlastung und körperlichen Symptomen. Ja, es ist durchaus möglich, dass Ihre Rückenschmerzen eine psychosomatische Reaktion auf den anhaltenden Unternehmerstress und die fehlende Fähigkeit, klare Grenzen zu setzen, darstellen. Der Körper spricht oft dann, wenn die Seele oder der Geist keine Worte mehr finden – und Rückenschmerzen sind ein klassisches Beispiel für eine solche Ausdrucksform. Der Rücken symbolisiert in der psychosomatischen Deutung häufig Themen wie Last, Verantwortung, Halt oder auch die Fähigkeit, sich ‚abzustützen‘ oder ‚zu tragen‘. Wenn Sie sich ständig überfordert fühlen, das Gefühl haben, alles allein stemmen zu müssen, und gleichzeitig Schwierigkeiten damit haben, ‚Nein‘ zu sagen, kann sich dies sehr konkret in Verspannungen oder Schmerzen im Rückenbereich manifestieren.

Besonders interessant ist der von Ihnen beschriebene zeitliche Zusammenhang: Die Schmerzen verstärken sich in Momenten hoher psychischer Belastung, etwa bei Vertragsverhandlungen oder finanziellen Entscheidungen. Das deutet darauf hin, dass Ihr Körper die emotionale Anspannung, die mit diesen Situationen verbunden ist, in physische Schmerzen ‚übersetzt‘. Stress aktiviert das sympathische Nervensystem, führt zu Muskelverspannungen und kann langfristig sogar Entzündungsprozesse begünstigen – selbst wenn keine strukturelle Schädigung vorliegt, wie Ihr Orthopäde festgestellt hat. Gleichzeitig kann das ständige Gefühl, ‚funktionieren‘ zu müssen, dazu führen, dass Sie Ihre eigenen Bedürfnisse ignorieren. Der Körper reagiert dann wie ein Alarmsystem: Er zwingt Sie durch Schmerzen, innezuhalten, weil Sie es freiwillig nicht tun.

Ein weiterer zentraler Aspekt ist Ihre Schwierigkeit, Grenzen zu setzen. Grenzen sind nicht nur ein Akt der Selbstfürsorge, sondern auch eine Notwendigkeit, um langfristig handlungsfähig zu bleiben. Wenn Sie Klienten außerhalb der vereinbarten Zeiten unterstützen, mag das kurzfristig helfen – aber langfristig untergräbt es Ihre eigene Energie und sendet unbewusst die Botschaft an Ihr Unterbewusstsein: ‚Meine Bedürfnisse sind weniger wichtig als die der anderen.‘ Diese innere Haltung kann sich in körperlichen Symptomen niederschlagen, weil sie eine tiefe Diskrepanz zwischen Ihrem tatsächlichen Erleben (Erschöpfung, Überforderung) und Ihrem Verhalten (weiter ‚durchhalten‘) schafft. Der Rücken, der uns normalerweise ‚trägt‘, wird dann zum Ort des Protestes.

Wie können Sie nun lernen, Ihr Durchsetzungsvermögen zu stärken, ohne dass Ihr Körper weiter mit Schmerzen reagiert? Zunächst ist es wichtig, die Schmerzen nicht als Feind, sondern als Botschafter zu betrachten. Sie sind ein Signal, das Ihnen sagt: ‚Etwas in deinem Leben muss sich ändern – und zwar nicht erst, wenn du zusammenbrichst.‘ Ein erster Schritt wäre, kleine, aber konsequente Grenzen in Ihrem Berufsalltag einzuführen. Das muss nicht radikal sein – schon das klare Kommunizieren von Arbeitszeiten (z. B. ‚Ich antworte auf Nachrichten nur zwischen 9 und 17 Uhr‘) kann entlastend wirken. Wichtig ist, dass Sie diese Grenzen nicht nur nach außen, sondern auch nach innen verteidigen. Wenn Sie sich dabei schuldig fühlen, fragen Sie sich: ‚Würde ich von einem guten Freund verlangen, dass er sich selbst für meine Bedürfnisse aufopfert?‘ Die Antwort ist meist ein klares Nein – und doch tun wir es oft bei uns selbst.

Ein weiterer Ansatz wäre, Ihre innere Haltung zu Überforderung und Verantwortung zu reflektieren. Hinter dem Gefühl, ständig funktionieren zu müssen, stecken oft tief verwurzelte Glaubenssätze wie ‚Ich bin nur wertvoll, wenn ich leiste‘ oder ‚Wenn ich nein sage, werde ich abgelehnt.‘ Diese Überzeugungen sind meist in der Biografie verankert – etwa durch frühe Erfahrungen, in denen Liebe oder Anerkennung an Leistung geknüpft waren. Es kann hilfreich sein, diese Muster bewusst zu machen und schrittweise durch neue Botschaften zu ersetzen, wie: ‚Mein Wert ist nicht abhängig von meiner Produktivität‘ oder ‚Ich darf auch dann gut sein, wenn ich Grenzen setze.‘ Therapiemethoden wie die kognitive Verhaltenstherapie oder achtsamkeitsbasierte Ansätze können dabei unterstützen, diese Gedanken zu hinterfragen und umzuformulieren.

Praktisch könnten Sie auch beginnen, Ihren Tag bewusst mit Pausen und ‚Inseln der Erholung‘ zu strukturieren. Der Körper braucht nicht nur Bewegung (was bei Rückenschmerzen oft empfohlen wird), sondern auch Momente der bewussten Entspannung, um das Nervensystem aus dem Stressmodus zu holen. Techniken wie progressive Muskelentspannung, Atemübungen oder sogar kurze Meditationen können helfen, die körperliche Anspannung zu lösen. Probieren Sie aus, was sich für Sie stimmig anfühlt – und sehen Sie es nicht als ‚Zeitverschwendung‘, sondern als Investition in Ihre langfristige Handlungsfähigkeit. Denn ein überlasteter Körper wird irgendwann nicht mehr nur mit Schmerzen, sondern mit Erschöpfung oder Burnout reagieren.

Schließlich könnte es sinnvoll sein, sich professionelle Unterstützung zu suchen – nicht weil Sie ‚versagt‘ hätten, sondern weil es ein Zeichen von Stärke ist, sich Hilfe zu holen, wenn man an seine Grenzen kommt. Eine Psychotherapie kann Ihnen dabei helfen, die tiefer liegenden Ursachen für Ihre Schwierigkeiten mit Grenzsetzung und Selbstfürsorge zu verstehen und neue Handlungsmuster zu entwickeln. Besonders bei psychosomatischen Beschwerden ist es oft notwendig, nicht nur an den Symptomen (den Schmerzen), sondern auch an den zugrundeliegenden Konflikten zu arbeiten. Denn solange die psychischen Belastungen bestehen, wird der Körper weiterhin versuchen, Sie auf sie aufmerksam zu machen – nur vielleicht irgendwann auf noch drastischere Weise.

Zusammenfassend: Ihre Rückenschmerzen sind wahrscheinlich ein deutliches Zeichen dafür, dass Ihr System – Körper und Psyche – unter der aktuellen Belastung leidet. Die gute Nachricht ist: Sie haben es selbst in der Hand, diese Dynamik zu durchbrechen, indem Sie lernen, besser für sich zu sorgen, Grenzen zu setzen und Ihre innere Haltung zu Veränderung zu öffnen. Es wird nicht von heute auf morgen gehen, und Rückfälle sind normal – aber jeder kleine Schritt in Richtung Selbstfürsorge ist ein Schritt weg von den Schmerzen und hin zu einem nachhaltigeren, gesünderen Umgang mit Ihrem Beruf und sich selbst.

Alles Gute für Ihren Weg – und denken Sie daran: Auch Unternehmerinnen dürfen (und müssen!) Pause machen.

Herzlichst,
Anna Klar

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