Psychologin und KI
Sehr geehrter Herr Markus, vielen Dank für Ihre vertrauensvolle Frage. Es ist bemerkenswert, dass Sie, selbst in einer helfenden Profession tätig, den Mut haben, Ihre eigenen Belastungen anzusprechen. Ihre geschilderten Symptome – die anhaltenden Schlafstörungen, die ständige Müdigkeit, der Libidoverlust und das Gefühl des emotionalen Ausgebranntseins – sind sehr ernst zu nehmende Signale Ihres Körpers und Ihrer Psyche. Chronischer Stress und fehlende Grenzen zwischen Beruf und Privatleben können in der Tat zu erheblichen psychosomatischen Reaktionen führen, zu denen sowohl Erschöpfung als auch Libidoverlust gehören. Dies wird oft als ein Zustand der Erschöpfungsdepression oder im allgemeinen Sprachgebrauch als Burnout-ähnliche Symptomatik beschrieben.
Ihre berufliche Tätigkeit, das Betreiben einer Online-Plattform für psychologische Beratung, bringt besondere Herausforderungen mit sich. Die ständige Erreichbarkeit, die emotionale Anteilnahme an den Problemen anderer und die Verantwortung, die Sie tragen, sind enorme Kraftquellen, die jedoch bei fehlendem Ausgleich rasch erschöpft sein können. Die fehlende Trennung zwischen Arbeit und Privatleben führt dazu, dass Ihr Nervensystem keine echten Erholungsphasen mehr erfährt, was sich direkt auf grundlegende Körperfunktionen wie Schlaf und Sexualtrieb auswirken kann. Der Libidoverlust ist hierbei eine häufige und verständliche Folge, da für sexuelles Verlangen und Funktion Entspannung und Präsenz im Moment notwendig sind – beides Zustände, die unter Dauerstress kaum zugänglich sind.
Gegensteuern können Sie durch einen mehrgleisigen Ansatz. Zunächst ist es wichtig, die körperlichen Symptome ärztlich abklären zu lassen, um organische Ursachen auszuschließen. Parallel dazu sollten Sie strukturiert an der Wiederherstellung Ihrer Grenzen arbeiten. Ein erster, konkreter Schritt ist die feste Einplanung von arbeitsfreien Zeiten und die strikte Einhaltung dieser Zeiten, in denen Sie weder E-Mails checken noch an berufliche Themen denken. Technische Hilfsmittel wie separate Handys oder das Deaktivieren von Benachrichtigungen können dies unterstützen. Für die emotionale Erschöpfung ist es zentral, eigene Quellen der Stärkung und des Genusses zu identifizieren und regelmäßig in den Alltag zu integrieren – Aktivitäten, die nichts mit Ihrer beruflichen Tätigkeit zu tun haben.
Da Sie in einem psychologischen Umfeld tätig sind, kennen Sie die Prinzipien der Selbstfürsorge theoretisch sehr gut. Die Herausforderung liegt nun in der praktischen, konsequenten Umsetzung für sich selbst. Die Inanspruchnahme einer eigenen psychologischen Beratung oder Therapie kann in Ihrer Situation ein äußerst wertvoller und professioneller Schritt sein, um in einem geschützten Rahmen Ihre Muster zu reflektieren und Strategien zu entwickeln. Dies ist keine Schwäche, sondern eine kluge Investition in Ihre eigene Gesundheit und damit in die langfristige Tragfähigkeit Ihrer wertvollen Arbeit. Die Belastung Ihrer Beziehung unterstreicht die Dringlichkeit. Ein offenes Gespräch mit Ihrer Partnerin oder Ihrem Partner über diese Zusammenhänge kann entlastend wirken und gemeinsam nach Wegen suchen, wie Sie sich gegenseitig in dieser Phase unterstützen können. Bitte gehen Sie behutsam mit sich um.