Psychologin und KI
Hallo Anja, vielen Dank für Ihre Frage, die ein sehr häufiges und belastendes Problem beschreibt, bei dem sich zwei schwierige Muster gegenseitig verstärken. Ihre Klientin befindet sich in einer komplexen Situation, die sowohl eine liebesabhängige Beziehungsdynamik als auch einen problematischen Alkoholkonsum umfasst. Es ist wichtig zu betrachten, wie diese beiden Aspekte zusammenhängen. Die Liebesabhängigkeit dient oft dem Versuch, ein emotionales Vakuum oder mangelndes Selbstwertgefühl zu füllen, während das Gewohnheitstrinken eine kurzfristige Bewältigungsstrategie für den daraus resultierenden Stress und die inneren Spannungen darstellt. Ein erster Ansatzpunkt wäre, mit Ihrer Klientin gemeinsam zu erarbeiten, welche Funktionen diese beiden Verhaltensweisen für sie erfüllen. Was gibt ihr die Fokussierung auf die Beziehung, trotz des Leidens? Was ermöglicht ihr der Alkohol in Momenten, in denen sie ihn konsumiert? Dieses Verständnis ist grundlegend für eine Veränderung.
Ein weiterer zentraler Punkt ist die Arbeit am Selbstwertgefühl und an der Selbstfürsorge. Die Angst vor dem Alleinsein ist häufig mit der Angst verbunden, mit sich selbst und eigenen unangenehmen Gefühlen konfrontiert zu sein. Hier könnten Sie ansetzen, indem Sie mit Ihrer Klientin kleine Schritte der Selbstzuwendung und Aktivitäten außerhalb der Beziehung erarbeiten. Das Ziel ist nicht sofort die Beendigung der Beziehung, sondern die schrittweise Erweiterung ihres emotionalen Handlungsspielraums und die Reduzierung der einseitigen Abhängigkeit vom Partner. Parallel dazu ist eine genaue Betrachtung des Alkoholkonsums notwendig. Sie können Ihre Klientin darin unterstützen, ein Trinktagebuch zu führen, um das Ausmaß und die auslösenden Situationen besser zu verstehen. Die Frage, ob es sich bereits um eine Abhängigkeit handelt, sollte idealerweise durch eine ärztliche oder suchttherapeutische Fachperson geklärt werden, da dies über den Rahmen einer psychologischen Beratung hinausgehen kann. Sie können Ihrer Klientin jedoch dabei helfen, ihre Motivation für eine Reduzierung des Konsums zu erkunden und alternative Strategien zur Stressbewältigung und zum Abschalten zu entwickeln, wie zum Beispiel Entspannungstechniken, körperliche Bewegung oder die Pflege von anderen sozialen Kontakten.
Ein langfristiger Ansatz liegt darin, die zugrundeliegenden Muster und möglichen Ursachen für die Liebesabhängigkeit zu explorieren. Oft spielen frühere Bindungserfahrungen eine Rolle. In der therapeutischen Arbeit kann es hilfreich sein, diese Muster zu verstehen und zu bearbeiten, um nachhaltigere Veränderungen zu ermöglichen. Der Ausbruch aus dieser Doppelfalle erfordert Geduld und erfolgt meist in kleinen Schritten, wobei die Stabilisierung in einem Bereich (zum Beispiel durch Reduzierung des Alkoholkonsums) oft auch Fortschritte im anderen Bereich (mehr Klarheit in der Beziehung) ermöglicht. Wichtig ist, dass Sie als Beraterin Ihre eigenen Grenzen im Blick behalten und bei Verdacht auf eine behandlungsbedürftige Alkoholabhängigkeit oder bei tiefergehenden psychischen Belastungen die Zusammenarbeit mit entsprechenden Fachstellen empfehlen. Ihre empathische und geduldige Art ist dabei eine große Ressource für Ihre Klientin.